Radiokolleg - Eta Harich-Schneider

Grande Dame des Cembalos und Pionierin der japanischen Musikforschung
(3). Gestaltung: Judith Brandner

Ihre große Geschichte der japanischen Musik sei eine Pionierleistung und ein für die Musikethnologie unverzichtbares Werk. Niemand, der sich wissenschaftlich mit traditioneller japanischer Musik beschäftige, könne daran vorbeigehen, meinen die einen. Das Werk enthalte Übersetzungsfehler, sei mangelhaft und einseitig, beleuchte es doch in erster Linie die höfische Musik Japans, meinen die anderen.

Fest steht: Sie ist die erste westliche Musikwissenschafterin, die sich bei dieser Forschung auf Originalquellen stützt. Auf Anerkennung stößt auch ihre Übertragung der japanischen Notation in eine westliche. Ihr Werk zu Technik und Geschichte des Cembalospiels gilt bis heute als Standardlektüre für Cembalist/innen. Eines steht fest: Die Meinungen über Eta Harich-Schneider sind bis heute geteilt. Vielleicht, weil sie eine überaus schillernde Persönlichkeit war, wie auch aus ihrer Autobiografie "Charaktere und Katastrophen" hervorgeht.

Geboren wird Eta Harich-Schneider 1894 (ihr Geburtsdatum gab sie später mit 1897 an) in Oranienburg bei Berlin. Sie studiert Klavier und Cembalo, bei Günther Ramin und Wanda Landowska. Als Lehrende an der Berliner Hochschule für Musik gibt sie dem Cembalo-Studium eine breitere Basis durch die Einführung theoretischer Fächer, gründet ein Stilkundeseminar. Gleichzeitig unternimmt die geschiedene Alleinerzieherin zweier Töchter zahlreiche Konzerttourneen im In- und Ausland. 1936 wird sie Professorin an der Berliner Musikakademie. Wegen ihrer Weigerung in die NSDAP einzutreten und ihres Einsatzes für jüdische Künstlerkollegen wie Paul Hindemith wird sie 1940 von der Musikhochschule gekündigt. Sie nützt eine Konzertreise nach Japan, um Nazideutschland zu verlassen. Bis 1949 bleibt sie in Japan, unterstützt von der deutschen Botschaft in Tokio. Ein berühmtes Foto zeigt sie am Klavier, unter der japanischen und der Hakenkreuzflagge. Diese Nähe zu Nationalsozialisten in Japan verhindert später ihre Rehabilitation in Deutschland. In Tokio hat Eta Harich-Schneider eine Affäre mit dem sowjetischen Spion Richard Sorge, der offiziell als Korrespondent der "Frankfurter Zeitung" arbeitet. Sorge wird 1944 hingerichtet.

Während ihres Japanaufenthalts gibt sie Konzerte, lernt japanisch, hält an der Kaiserlichen Akademie Cembalokurse ab, macht Feldforschungen - Aufnahmen in Tempeln, Schreinen und bei Festen - und theoretische Studien über japanische Musik.

Nach diesem ersten Japanaufenthalt geht sie nach New York, wo sie Japanologie studiert.1953 kehrt sie nach Tokio zurück, um ihre großen Musikforschungen fortzusetzen. Während dieser Zeit erhält sie eine Berufung an die Musikakademie in Wien zur Leitung einer Cembaloklasse. Diese tritt sie 1955 an. Unterbrochen von Feldforschungen in Japan bleibt sie bis zu ihrem Tod 1986 in Wien. Ihr Grab ist auf dem Hietzinger Friedhof.

Service

LESELISTE (leider sind alle Bücher bis zum "----" vergriffen und nur antiquarisch bzw. in Bibliotheken erhältlich)

Harich-Schneider, Eta (Margarete):
Charaktere und Katastrophen - Augenzeugenberichte einer reisenden Musikerin. Ullstein Verlag, Wien 1978

Die Kunst des Cembalospiels. nach den vorhandenen Quellen dargestellt und erläutert, 4. Auflage Bärenreiter Verlag Kassel 1979 (zuerst 1939)

Die Kunst des Cembalo-Spiels, , Bärenreiter Verlag, Kassel,
Zärtliche Welt. Francois Couperin in seiner Zeit. Berlin 1939

Übersetzerin und Herausgeberin von Tomás de Santa Maria Wie mit aller Vollkommenheit und Meisterschaft das Klavichord zu spielen sei (zuerst 1565), Leipzig, Kistner und Siegel, 1937, 2. Auflage 1986 (Anmut und Kunst beim Klavichordspiel, auch mit Übersetzung von Fray)

Shakespeare Sonette in deutscher Sprache von Eta Harich-Schneider, Pekinger Pappelinsel 1944

A History of Japanese Music, Oxford University Press, London 1973

The Rhythmical Patterns in Gagaku und Bugaku. Leiden 1954
"Regional Folk Songs and Itinerant Minstrels in Japan", Journal of the American Musicological Society, Nr. 10, 1957
"The Last Remnants of a Mendicant Musicians Guild: The Goze in Northern Honshu (Japan)." Journal of the International Folk Music Council, 1959/

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HARICH-SCHNEIDER, Eta (2006): Musikalische Impressionen aus Japan, 1941 - 1957. Herausgegeben, kommentiert und mit einer Einführung versehen von Ingrid Fritsch. München: Iudicium.

KUBACZEK, Martin (2011): ""Meide alles, mache Musik und lerne Japanisch": Eta Harich-Schneiders Jahre im Tokyoter Exil." In: PEKAR, Thomas (Hg.): Flucht und Rettung. Exil im japanischen Herrschaftsbereich (1933-1945). Berlin: Metropol Verlag, S. 268-281.

Kubaczek, Martin - Sorge. Ein Traum
Transfer Bibliothek XCIV, Folio Verlag, 2009

Christa Jansohn (Hg.): Eta Harich-Schneider: Die Sonette William Shakespeares und die Lyrik der "Rekusanten". Erlebnisse und Übersetzungen einer reisenden Musikerin: 1941-1982, Berlin und Münster 2011, ISBN 978-3-643-10936-1


MUSIK

Kleine Cembalostücke. Von Finken, Nachtigallen und anderem Getier.
Schallplatte, Amadeo Records.

Quatrième Livre De Pièces De Clavecin, Ordre Xxiv: L'Amphibie. Mouvement De Passacaille
Album Couperin: Quatrième Livre De Pièces De Clavecin, Ordre Xxiv (Mono Version) 1953

Fünf japanische Märchen. Übersetzt und erzählt von Eta Harich-Schneider Schallplatte, Verlag: Preiser

Die Musik Japans. Platte V. Shinto Musik. UNESCO-Reihe, Musik des Orients. Aufnahmen und Kommentar: Eta Harich-Schneider. Bärenreiter Musicaphon.

Playlist

Komponist/Komponistin: Shinto Priester vor dem Heiligtum von Shimo-Kamo, Kyoto
Album: Die Musik Japans. Platte V. Shinto Musik. UNESCO-Reihe, Musik des Orients. Aufnahmen und Kommentar: Eta Harich-Schneider
Titel: Azuma Asobi (00:00:50)
I: Shinto Priester vor dem Heiligtum von Shimo-Kamo, Kyoto
Länge: 00:50 min
Label: Bärenreiter Musicaphon

Sendereihe

Gestaltung