Schattenspiegelungen

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Geschichte einer Freundschaft im Rückblick

"Absence". Von Andreas Jungwirth. Mit Stephan Grossman und Lukas Walcher. Regie: Steffen Moratz (MDR/ORF 2017).

"Absence heißt ja Abwesenheit. Und in so einer Abwesenheitssituation / Stimmung habe ich mich befunden, als ich dieses Stück schrieb, das ist also die Situation, wenn sich ein normaler Mensch vorstellt, wenn er sich überlegt, wie komponiert ein Komponist". (Wolfgang Heisig in diesem Hörspiel)

Anfang der 1990er Jahre treten der Komponist Wolfgang Heisig und der Schauspieler und Autor Andreas Jungwirth im ganzen deutschsprachigen Raum als Duo auf, im Gepäck haben sie zeitgenössische Musik für selbstspielende Klaviere und Sprachspiele à la Kurt Schwitters, Hans Arp oder Hugo Ball. "Dada im besten Sinne", schreiben die Zeitungen.

Heisig und Jungwirth lernen sich auf der Bühne des Theaters einer ostdeutschen Kleinstadt kennen. Der eine spielt in einem Kinderstück, für das der andere die Bühnenmusik komponiert hat. Heisig glaubt, nach Verlust seines langjährigen Bühnenpartners, in dem Darsteller des Schusters einen idealen Ersatz gefunden zu haben. Das ist der Beginn einer Künstlergemeinschaft und engen Freundschaft. Bald teilen der junge Schauspieler, der seit kurzem seine Homosexualität offen auslebt, und der 15 Jahre ältere Komponist, der ein Familienleben auf dem Land führt, mehr und mehr ihren Alltag.

25 Jahre später besucht Andreas Jungwirth mit Mikrofon und Aufnahmegerät Wolfgang Heisig wieder. Kritisch schauen sie zurück - auf den Beginn ihrer Zusammenarbeit, ihr künstlerisches Potential und den schmerzhaften Bruch. Erneut entsteht für einen Tag die Nähe von damals. Und wieder werden manche Fragen nicht gestellt oder bleiben unbeantwortet.

Das Hörspiel "Absence" erzählt mit semidokumentarischen Mitteln eine autobiografisch inspirierte Geschichte. "Absence" ist aber auch der Titel einer Komposition, die während der gemeinsamen Zeit entstanden ist. "Absence" ist das, was überdauert.

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