Fritz Teuferl und Rainer Langhans bei einer Kundgebung, 1967

AP/HERRMANN

Betrifft: Geschichte

Zwischen freier Liebe, Kapitalismuskritik und verbotenen Toilettentüren. Zum 50. Gründungstag der Kommune I. Mit Rainer Langhans, Autor und ehemaliges Mitglied der Kommune I.
Gestaltung: Daphne Hruby

Die bürgerliche Spießigkeit sowie der Kapitalismus waren ihnen ein Graus. Sie verachteten die Lebensmodelle ihrer Eltern. Außerdem sahen sie sich umgeben von Alt-Nazis. Alldem wollten sie entgegen- und in eine neue Lebensform eintreten. Am 1. Jänner 1967 war es so weit. Aus der politisch motivierten außerparlamentarischen Opposition der Studentenbewegung (APO) ging eine Wohngemeinschaft in West-Berlin hervor: Die Kommune I ward geboren.

Zwei Monate danach stieß Rainer Langhans dazu, der später auch seine Geliebte, das Fotomodel Uschi Obermaier, an Bord holte. Die beiden galten als "das schönste Paar der APO".

In der Kommune wurden die Ideen der 68-Bewegung vorgelebt. Das hieß, alles miteinander zu teilen. Die Mitglieder der Kommune I hatten nicht weniger vor, als die Weltrevolution vom Wohnzimmer aus zu starten.

Um sich und ihrer Sache Gehör zu verschaffen, führten sie einige aufsehenerregende Aktionen durch. Wobei gleich ihre erste, bekannt unter dem Namen "Pudding-Attentat", fehlschlug. Geplant war Rauchbomben auf den US-amerikanischen Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey zu werfen. Doch bevor es so weit kommen konnte, wurde die Gruppe am 5. April 1967 dingfest gemacht. Unter den Verhafteten war auch Langhans. Davon ließen sich die Kommunarden, die kurze Zeit später wieder auf freiem Fuß waren, aber keineswegs einschüchtern. Nun hatten sie die Aufmerksamkeit, die sie wollten. Um diese auch zu behalten, folgten weitere provokante Taten.

Die Kommune I erregte Aufmerksamkeit weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Zahlreiche prominente Besucher gaben sich dort die Türklinke in die Hand. Darunter auch der Musiker Jimi Hendrix.

Das änderte allerdings nichts daran, dass die Fassade der Wohngemeinschaft mit der Zeit zu bröckeln begann. Während einige Mitglieder die Aktionen zu kritisieren anfingen, legten andere ein immer radikaleres und auch autoritäreres Verhalten an den Tag. Das führte dazu, dass der Zusammenhalt immer mehr verlorenging. Im November 1969 löste sich die Kommune I schließlich ganz auf. Nichtsdestoweniger gründeten sich nach ihrem Vorbild viele weitere Wohngemeinschaften, die das einstige Ideal von freier Liebe und Gleichheit zum Ziel hatten.

Eine Sendung im Rahmen des Schwerpunkts "Baujahr 67 - Zeitreisen mit Ö1".

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