Annie und Jeanne

Andrea Schütz

Alles, was noch ein Glück ist

Die jüdische Herkunft und die Kindheit in Frankreich, versteckt vor den deutschen Besatzern, sind nur ein kleiner Teil der Gemeinsamkeiten im Leben von Annie und Jeanne. Alles, was noch ein Glück ist. Feature von Sabine Nikolay

Annie und Jeanne, beide im Jahr 1937 geboren - die eine in Wien, die andere schon im französischen Exil. Was sie gemeinsam haben: die jüdische Herkunft, Väter, die im linken politischen Spektrum aktiv waren und eine Kindheit in Vichy-Frankreich, versteckt vor den deutschen Besatzern. Beide verloren zahlreiche Verwandte im Holocaust. Später das Dolmetsch-Studium in Wien bei dem sie einander kennenlernten. Zahlreiche Einsätze als Dolmetscherinnen in aller Welt. Sie erlebten die Herrschenden der 1970er und 1980er Jahre hautnah. Außerdem hat jede von ihnen drei Kinder. Und bis heute leben sie in Wien.

Ihre Leben könnten aber auch nicht unterschiedlicher verlaufen sein: Während Annie eine glückliche Kindheit verlebte, verlor Jeanne sehr früh beide Eltern. Jeannes Kindheit war eine Odyssee durch französische Waisenhäuser und Pflegefamilien bis sie schließlich - über die Grenze in die Schweiz geschmuggelt - im Kinderheim der Margaret Locher aufwuchs. Sie hatte, so sagt sie, sieben Mütter - und wurde selbst zur Alleinerzieherin, als dieses Wort noch nicht in aller Munde war.

Heute, kurz vor ihren 80. Geburtstagen, leben Annie und Jeanne ein erfülltes und aktives Leben mit Kindern, Freunden und zahlreichen kulturellen Aktivitäten in Wien. Es gibt den Kino-Tag, den Chanson-Abend, religiöse Feste, Museumsbesuche, Lesungen, Vorträge und viele Bücher die gelesen und diskutiert werden.

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