Eisernes, kleines Kreuz mit Jesus

AFP/VINCENZO PINTO

Provokationen in der Passionszeit

In denTagen vor Ostern möchte der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld das Rebellische und Verstörende an Jesus und seiner Passion zur Sprache bringen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Immer von neuem

Immer von neuem Sterben
und auferstehn

Die Fremde meine Heimat
Unbekannte meine Geschwister

Ich bin eine Tote
die lebt
und das Leben liebt.

Rose Ausländer, von der dieses Gedicht stammt, war Jüdin aus der Bukowina, wurde zuerst vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und nach der Besatzung durch deutsche Truppen von den Nazis verfolgt und ins Ghetto gesperrt. Mit viel Glück überlebte sie den Terror und das Grauen.

Karsamstag ist traditionell der Tag der Stille. Der Tag, an dem das Leid zu Ende aber das große Fest noch nicht angebrochen ist. Es ist die Brücke zwischen Tod und neuem Leben, Karfreitag und Ostersonntag. Tod und Auferstehung gehören untrennbar zusammen. Es ist nicht die Ruhe vor dem Sturm sondern nur Ruhe und vielleicht auch Erwartung, aber vorläufig scheint alles zu Ende.

Menschen machen die Erfahrung, immer wieder zu sterben aber auch jene, zu neuem Leben erweckt zu werden. Nicht mehr ins Gewohnte zurückfallen, die Fremde kann zur Heimat und Unbekannte können meine Geschwister werden. Jesus ist in seinem Leben immer wieder über Grenzen gegangen, hat Grenzerfahrungen gemacht oder hat von Menschen gesetzte Grenzen ignoriert.

Diese Haltung hat ihn ans Kreuz gebracht aber damit nicht genug. Er hat auch nicht die Pforten der Unterwelt respektiert. Nach christlicher Lehre ist er hinabgestiegen in das Reich des Todes und hat damit der Hölle selbst ein Ende gesetzt. Seine Liebe zu den Menschen, den noch Lebenden und den schon Toten, auch seine Liebe zu den Gott-Verlassenen ist buchstäblich grenzenlos. Ich vertraue darauf, dass diese Liebe stärker ist als der Tod. Sie überwindet alles Böse, alle vom Menschen gemachten Höllen.

Und lässt die Welt in neuem Licht erscheinen, in österlichem Licht der Auferstehung.

Service

Buch, Karl-Heinz Ronecker/ Wolfgang Brinkel (Hg.), "Wer wälzt uns den Stein? Erzählungen, Gedichte und Meditationen zu Ostern", Chr. Kaiser Verlag

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Playlist

Komponist/Komponistin: Sergej Rachmaninoff/1873 - 1943
Titel: Sonate für Violoncello und Klavier in g-moll op.19
* Andante - 3.Satz (00:05:52)
Cellosonate
Solist/Solistin: Werner Thomas /Violoncello
Solist/Solistin: Carmen Piazzini /Klavier
Länge: 02:00 min
Label: Calig 50871

Sendereihe

Gestaltung