Umrisse der Christuskirche

ORF/NIKOLAUS MEINHART

Ein Osterspaziergang durch Wien-Favoriten

"Osterfeuer, Zuckerl und Ziegelböhm". Das Wiener Triesterviertel von der Christuskirche mit dem evangelischen Friedhof bis zum historischen Industriegebiet mit den Wienerberger Ziegelfabriken. - Gestaltung: Wolfgang Slapansky

In der Osternacht gibt es in der evangelischen Christuskirche und dem sie umgebenden evangelischen Friedhof am Matzleinsdorfer Platz in Wien eine ganz spezielle Osterfeier: Um 5.30 Uhr treffen sich die Gläubigen am noch finsteren Friedhof. Dort wird die Osterkerze entzündet und in die Kirche getragen. Sie ist das einzige Licht und beginnt die Kirche langsam zu erhellen. Bei Sonnenaufgang wird an die Auferstehung erinnert. Dann geht es in der Helligkeit des Morgens wieder auf den Friedhof, wo ein Osterfeuer entzündet wird. Ein Spiel mit Finsternis und Licht, das am Ostermorgen alle Sinne ansprechen soll.

Seit 1874 gehören die Christuskirche und der Matzleinsdorfer Friedhof zu Favoriten, dem 10. Wiener Gemeindebezirk. Das Hinterland war damals noch weitgehend unbebaut, geprägt von Feldern und Wiesen. Doch schon bald gab es dort eine rege Bautätigkeit. Zahlreiche Industriebetriebe entstanden hier, wie etwa die Heller Zuckerlfabrik oder die Zigarettenpapierfabrik Abadie. Zwischen den Industriegebäuden entstanden unzählige billig errichtete Zinshäuser für die Arbeiterfamilien.

Nur rund zwei Kilometer von der Christuskirche entfernt, etwas im Schatten der Großstadt, befanden sich damals die Wienerberger Ziegelwerke, in denen vor allem aus Böhmen und Mähren stammende Männer, Frauen und Kinder unter sklavenartigen Bedingungen arbeiten mussten.

"Memo" unternimmt einen Osterspaziergang durch einen ganz speziellen Teil des Arbeiterbezirks Favoriten, das Triesterviertel. Heute sind die früheren Fabriken aufgelassen, der Stadtteil hat sich von einem Industriebezirk zu einem Wohnbezirk gewandelt. Nach wie vor sehr markant ist aber die Christuskirche im byzantinischen Baustil und der dazugehörige evangelische Friedhof mit zahlreichen prominenten Gräbern: Der Sozialreporter Max Winter fand hier ebenso seine letzte Ruhestätte wie der Dichter Friedrich Hebbel, der Philosoph Otto Weininger oder die Schauspielerin Adele Sandrock - und auch der Baron Karl, der wohl berühmteste Sandler von Wien.

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