Fotoausstellung in der Votivkirche

APA/HANS KLAUS TECHT

Elena Holzhausen über Kunst und Religion

"Konfrontation im Dialog". Die Konfrontation von Kunst und Religion sollte im Dialog und nicht nur im Aufzeigen von Gegensätzen geschehen, meint die Diözesankonservatorin am Referat für Kunst und Denkmalpflege der Erzdiözese Wien Elena Holzhausen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

"Über das man nicht sprechen kann, muss man schweigen", schreibt Ludwig Wittgenstein am Ende seines Tractatus Logicus. Und das, nachdem er sehr ausführlich genau darüber gesprochen hat. Was steckt dahinter?

Für mich ist es oft leichter, komplexe Inhalte in Bildern zu verstehen. Deshalb habe ich mir den Philosophen als den Protagonisten in einem großen Epos vorgestellt. Ähnlich wie bei Tolkins Herr der Ringe. Er muss, um in seiner Mission weiter zu kommen, in eine neue Welt vordringen. Das kann er nur mit Hilfe einer Leiter - bei Wittgenstein der Tractatus Logicus. Nachdem mein Held die lange, lange Leiter emporgeklettert ist, erkennt er, dass er sie nie wieder brauchen wird. Denn er ist angekommen, angekommen im Erkennen. Deshalb stößt er die Leiter um, die er vorher so dringlich brauchte. Und genau das macht Kunst für mich. Kunst ist Denken in Bildern.

Wenn ich mich auf das Denken anderer einlasse, lerne ich etwas über ihre Erfahrungswelt. Das Kunstwerk ist für mich Zwischenfolie, für das, was ich nur mittelbar erfassen kann. Bilder eben - Ich habe die Chance, mich darin selber zu spiegeln und zu reflektieren.

In Konfrontation mit mir selbst komme ich bei der Betrachtung von Gottesbildern. Denn in Exodus 20.2 hat Gott uns ganz klar den Auftrag gegeben: "Du sollst dir kein Bildnis, noch irgend ein Gleichnis machen". Seit meiner Kindheit höre ich aus diesem Gebot heraus "Lass das lieber bleiben, sonst kommst Du mit Dir selber in Teufels Küche".

Wenn ich mich aber umschaue, stelle ich fest: Es ist anders gekommen: Menschen haben sich durch alle Jahrhunderte viele unterschiedliche Bilder von Gott gemacht. Im Laufe der Zeit haben sie Gott nach ihren eigenen Vorstellungen und Sehnsüchten geformt, Häuser, Plätze, Straßen und Kirchen sind mit unterschiedlichsten Bildern und Statuen von Gott übersäht. Doch was haben wir dort abgebildet? Die Frage nach Abbild und Wirklichkeit hat alle Religionen zu aller Zeit bewegt. Heftiger Streit, Abspaltung und sogar Mord und Totschlag haben Menschen einander um diese Frage angetan.

Ich frage mich, sind sie wirklich Bilder von Gott? Machen wir uns nicht oft Bilder von uns selbst? Wie schaut mein Verhältnis von den Bildern aus, die ich mit mir herumtrage zu jenen, die ich betrachte? Ist mein Gottesbild ein Bild von Gott oder letztlich nicht mehr als ein Spiegel meiner selbst? Mit dieser Frage kann ich in Leichtigkeit durch die heiligen Orte unserer Welt wandern, Gott und die Welt entdecken und in Betrachtung der Bilder die eine oder andere Leiter umstoßen.

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Playlist

Komponist/Komponistin: Nino Rota
Album: NINO ROTA MOVIES
Titel: Julia und die Geister/instr. / Thema a.d.gln.Film / "Giulietta degli spiriti"
Leitung: Carlo Savina
Orchester: Unbekannt
Länge: 02:00 min
Label: Polygram 8227472

Sendereihe

Gestaltung