Von Tag zu Tag

Das Königsspiel in der Kaiserstadt. Die Kultur der Schach-Metropole Wien. Gast: Michael Ehn, Soziologe, Linguist und Schachhistoriker. Moderation: Johann Kneihs. Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79

Zum sozialen Leben der Donaumonarchie gehörte unverzichtbar das Schachspiel. Arthur Schnitzler bewegte die Figuren auf dem Brett ebenso leidenschaftlich wie Arnold Schönberg, Gustav Meyrink oder Sigmund Freud; im Café Central galt Leo Trotzki als besonders guter Spieler.

War unter Maria Theresia noch vor allem das Glücksspiel beliebt, so förderte ihr Sohn Joseph II. das rationale Schach. "Am Schachbrett konnte sich der ‚Mensch der Aufklärung', ob Gelehrter, Künstler, Beamter, Militär oder Adeliger, ganz im Kantischen Sinn vorbehaltlos seines Verstandes bedienen", schreibt der Schachhistoriker Michael Ehn. Sein Buch "Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750 - 1918" ist die erste Studie über die Bedeutung des Schachspiels im ansonsten so gut dokumentieren Geistes- und Gesellschaftsleben im Wiener Fin de Siècle. Dabei war nicht nur das Amateurschach in Wien verbreitet, sondern die Kaiserstadt war auch eine Drehscheibe in der Entwicklung des modernen Schach. So wirkte der erste Schachweltmeister Wilhelm Steinitz lange in Wien, der die Grundlagen des heutigen Schach entwickelte.

Der Soziologe, Linguist und Schachhistoriker Michael Ehn hat über Jahrzehnte die Geschichte des Schachspiels in der Donaumonarchie erforscht. Er betreibt das einzige Schach-Fachgeschäft in Österreich und verfasst gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftler Ernst Strouhal seit 1990 die Schachkolumne "ruf & ehn" der Tageszeitung Der Standard.

Johann Kneihs spricht mit ihm über ein vergessenes Kapitel Kultur- und Geistesgeschichte und darüber, warum Österreich heute eher am Rand der Schachwelt liegt.

Service

Buch:
Michael Ehn: Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750 - 1918. Edition Steinbauer, Wien 2017.

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