Hubert Gaisbauer über die Arbeit

Arbeit ist eine unverzichtbare Farbe im Spektrum Religion. Allerdings nur dann, wenn sie sich nicht selber zum Religionsersatz ermächtigt, meint der Publizist Hubert Gaisbauer, der sich in der Woche vor dem 1. Mai Gedanken zum Thema "Lieben und arbeiten" macht. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Ich habe mich in letzter Zeit oft und sehr gerne mit Franziskus beschäftigt. Dem älteren, dem von Assisi. Arbeit war für ihn und seine Brüder nicht Erwerb, sondern Teilhabe und Dienst an der Gemeinschaft. So sah er es überhaupt nicht gerne, wenn einer das vortreffliche Geschenk der Zeit untätig verstreichen ließ. "Ich will", sagte er, "dass meine Brüder arbeiten und sich tüchtig plagen, und die kein Handwerk verstehen, sollen eines lernen." Also nichts mit frommem Faulenzen.

Einen Bruder, den er längere Zeit beim Nichtstun beobachtet hatte, fuhr er eines Tages an: "Bruder Mücke, geh deiner Wege, denn du willst nur deiner Brüder Schweiß verzehren." Und dieser kehrte in die Welt zurück, heißt es, die er noch nicht verlassen hatte.

In der ursprünglichen Regel für die Brüder findet man ein kurzes Kapitel, überschrieben mit Dienen und Arbeiten. Darin heißt es: Die Brüder, die sich auf eine Arbeit verstehen, sollen arbeiten und das Handwerk ausüben, das sie können. Und als Lohn für ihre Arbeit sollen sie alles annehmen, was sie zum Leben nötig haben - nur eines nicht, Münze oder Geld.

Die Brüder waren fähig und einige recht gut ausgebildet. Sie waren verlässlich und fleißig, doch sie handelten nach ihrem eigenen Arbeitsbegriff, das heißt: Sie arbeiteten, um Güter und Dienste für andere zu erbringen. Es ging darum, allen anderen die Mittel zu einem menschlichen Leben zukommen zu lassen.

Das einst verwöhnte Kaufmannssöhnchen Francesco hat über seiner eigenen Hände Arbeit gelernt, dass Gottes Geist dabei ist, letztlich eine "neue Welt" hervorzubringen, die gemeinsame Versorgung, die neue Ordnung einer gerechten Welt.

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Playlist

Komponist/Komponistin: Johann Sebastian Bach
* Loure
Titel: Partita No. 3 in E major BWV 1006
Ausführende: Mark Lubotsky/Violine
Länge: 02:00 min
Label: Brilliant Classics 93102/11

Sendereihe

Gestaltung