Ein verdrehter Gartenschlauch

ORF, JOSEPH SCHIMMER

Lymphödeme und ihre Behandlung

Betroffene nach wie vor stark unterversorgt

Rund 200.000 Menschen in Österreich sind von einem Lymphödem betroffen. Dabei ist das Lymphgefäßsystem, das den ganzen Körper durchzieht, an einer oder mehreren Stellen beschädigt. Die dadurch bedingten Schwellungen ganzer Körperteile können groteske Ausmaße annehmen. Entsprechend hoch kann der Leidensdruck sein.

Zwei unterschiedliche Formen

Bei zehn Prozent der Patientinnen ist die Krankheit angeboren. In diesem Fall existieren zu wenige richtig angelegte Lymphgefäße, bzw. funktionieren diese nicht - man spricht dann von einem primären Lymphödem.
90 Prozent hingegen weisen ein sekundäres Lymphödem aus. Ursachen für diese erworbene Lymphgefäßschädigung sind unter anderem Unfälle, Rotlauf, Strahlentherapie und Operationen. Am häufigsten entstehen Lymphödeme nach einer Brustkrebs-Operation. Ähnlich hoch ist das Risiko aber auch nach der Behandlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich bzw. von Krebserkrankungen in der Beckenregion (Prostata, Hoden, Eierstöcke, Blasen, Darm etc.) Werden in diesen Arealen mehrere zentrale Lymphknoten entfernt oder geschädigt, kann die Lymphflüssigkeit aus dem betroffenen Gewebe nicht mehr abtransportiert werden.

Mehrere Krankheitsstadien

Lymphödeme treten in unterschiedlichen Schweregraden auf. Im Stadium I kommt es zu einer weichen Schwellung eines Körperteils (zum Beispiel des Arms oder Beins), meistens nach Belastung oder abends. Die Symptome verschwinden über Nacht wieder. In Stadium II ist diese spontane Rückbildung nicht mehr möglich. Das Ödem kann bereits verhärtet sein.
Menschen, die sich bereits im dritten Krankheitsstadium befinden, weisen oft Gliedmaßen mit enormem Umfang auf (Stichwort Elephantiasis). Ihre Haut ist stark verhärtet bzw. verhornt. Gehäuft treten Komplikationen wie eine Pilzinfektion oder ein Rotlauf auf. Wird mit den Therapiemaßnahmen nicht rechtzeitig begonnen und werden diese nicht kontinuierlich durchgeführt, verschlechtert sich das Krankheitsbild automatisch. Allerdings ist das Lymphödem an sich gut behandelbar.

Großes Leid und viel Scham

Generell sind Lymphödeme äußerst unangenehm, die Betroffenen leiden unter Spannungs- und Schweregefühl, Schmerzen und können oft keine normale Kleidung mehr tragen. Menschen mit sehr ausgeprägten Symptomen leiden häufig unter Depressionen und trauen sich nicht mehr außer Haus - weil zum Beispiel ihr Gesicht völlig angeschwollen ist (etwa nach der Entfernung von Lymphknoten bei Kehlkopfkrebs).

Die klassische Therapie

Der Goldstandard bei der Behandlung des Lymphödems ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Dazu zählen manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbehandlung mit Bandagen, Entstauungsgymnastik und Hautpflege. Regelmäßig durchgeführt, kann man Lymphödeme damit zwar nicht heilen, aber die Schwellungen um einiges verkleinern. Zusätzlich zur KPE versucht man seit Kurzem auch chirurgische Strategien für die Behandlung von Lymphödemen zu entwickeln. In Frankreich wurden bereits vor 20 Jahren erfolgreiche operative Eingriffe durchgeführt - hierzulande ist bislang nur unser Sendungsgast Dr. Klaus Schrögendorfer auf dieses Gebiet spezialisiert. Er transplantiert Gewebeteile, die Lymphknoten, Arterien und Venen enthalten, an die geschädigten Stellen. Klaus Schrögendorfer hat bislang rund 20 Personen mit Lymphödemen operiert - erfolgreich. Allerdings, so betont er, sollte man die chirurgischen Maßnahmen nicht als Allheilmittel sehen - sondern eher als zusätzliche Option zur konventionellen Therapie. Auf jeden Fall kommt die Forschung auf diesem Gebiet derzeit weltweit in Gang und es wird viel publiziert.

Schlechte Bezahlung und wenig Fachpersonal

Das Lymphödem ist sicherlich eine besonders belastende Krankheit. Allerdings sehen das die Sozialversicherungsträger anders. Sie übernehmen nur Bruchteile der Behandlungskosten. Während man als krankenversicherte Person in Österreich meist nur die E-Card herzeigen muss, um (kostenlos) behandelt zu werden, muss man als Lymphödem-Patient tief in die eigene Tasche greifen. Eine Lymphdrainage kostet hierzulande 60 Euro aufwärts, die Krankenkassen erstatten davon nicht einmal 10 Euro. Meistens benötigen Betroffene mehrere Behandlungen pro Woche - 500 Euro pro Monat kommen da schnell mal zusammen. Wie soll sich das ein Durchschnittsverdiener leisten können? Schließlich kommt noch hinzu, dass es in Österreich viel zu wenige ausgebildete LymphtherapeutInnen gibt. Und für die schweren Fälle, die eine stationäre Therapie benötigen, existieren gerade einmal zwei Zentren (in Wolfsberg und Walchsee).

Sind Sie von einem Lymphödem betroffen?
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Service

Helmut Markus
Heilmasseur mit Schwerpunkt manuelle Lymphtherapie
selbst nach einer Krebsoperation von einem Lymphödem betroffen
Landesstellenleiter der Lymphliga Niederösterreich
An der Königswiese 8/B/14
2340 Mödling
+43/660/76 36 201
E-Mail
Lymphliga Niederösterreich

Ass.-Prof. Dr. Klaus F. Schrögendorfer
Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie
Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität Wien, AKH
Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie
Spezialisierung im Bereich Lymphödemchirurgie
+43/1/40400/69060
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
E-Mail
Klin. Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie

Prim. Dr. Christian Ure
Vorstand der Lymphklinik Wolfsberg
Landeskrankenhaus Wolfsberg
Paul-Hackhofer-Str. 9
9400 Wolfsberg
+43/4352/533/76903
E-Mail
Lymphklinik Wolfsberg

Österreichische Lymphliga
Lymphödemklinik Wittlinger (Walchsee, Tirol)
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