Michael Landau über das geglückte Leben

Der österreichische Caritaspräsident über Zivilgesellschaft und Solidarität. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Tote Kamele liegen zwischen vertrockneten Sträuchern im Sand. Männer, Frauen und Kinder sind auf Haut und Knochen abgemagert. Nach Monaten - mitunter Jahren - ohne Regen fehlen Trinkwasser und Nahrung. Weite Teile Afrikas erleben in diesen Tagen eine humanitäre Katastrophe. Besonders betroffen sind Äthiopien, Somalia, Uganda, der Südsudan. Den Norden Kenias habe ich selbst besucht.

Nach UN-Angaben droht 20 Millionen Menschen der Hungertod. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind in akuter Lebensgefahr. Mangelernährung verhindert, dass Kinder wachsen und sich gut entwickeln können. Oft bleiben körperliche, geistige und seelische Schäden. Wer permanent Hunger hat, wird öfter krank, kann in der Schule nicht lernen, hat keine Kraft.

Alle 10 Sekunden stirbt weltweit ein Kind an Hunger oder seinen Folgen. Und es sind dies für mich Bilder, die sich ins Gedächtnis einbrennen: Die viel zu kleinen Körper der Kinder, die Gesichter mit großen, alten, traurigen Augen, die stille Verzweiflung der Mütter. So lange auf dieser Welt Kinder an Hunger sterben, haben wir als Gesellschaft versagt. Eine Einsicht, die in solchen Augenblicken ganz klar und gleichzeitig beklemmend wird. Wie auch die Erfahrung: Hilfe ist möglich! Und es kommt dabei auf jede und jeden Einzelnen an.

Ich glaube: In einer zusammenwachsenden Welt brauchen wir auch eine Globalisierung des Verantwortungsbewusstseins und der Solidarität. Solidarität im Weltmaßstab, nicht nur für den Hausgebrauch. Es liegt auch an uns, wie diese Welt aussieht. Auch wenn es keine einfachen Antworten gibt: Oft reicht es, ein Stück bewusster zu leben. Und daran zu glauben, dass das Gemeinsame letztlich stärker ist als das Trennende, dass das "Wir" mehr bewirken kann, als jeder und jede von uns alleine, dass Hilfe größer ist als Hunger. Denn letztlich sind wir weltweit in eine Schicksalsgemeinschaft gestellt, aus der sich keiner davonstehlen, aus der aber auch keine und keiner ausgeschlossen werden darf.

Service

Nachbar in Not

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Playlist

Komponist/Komponistin: Zbigniew Preisner/geb.1955
Album: ZBIGNIEW PREISNER: 10 LEICHTE STÜCKE FÜR KLAVIER
Titel: Nr.6 About passing
Solist/Solistin: Leszek Mozdzer /Klavier
Länge: 02:00 min
Label: EMI Classics 5569712

Sendereihe

Gestaltung