Arzt untersucht Muskeln eines Patienten

DPA/Britta Pedersen

Kräftige Muskeln bis ins hohe Alter

Hochintensitätstraining, Sturzprophylaxe und Schutz vor Herzkreislauferkrankungen


Muskeln werden oft nur mit Aussehen oder Fitness in Verbindung gebracht. Dabei ermöglichen sie unterschiedlichste Bewegungsabläufe, einen aufrechten Gang und halten lebenswichtige Prozesse im Körper am Laufen. Der menschliche Körper verfügt über etwa 640 Muskeln. Man unterscheidet zwischen quergestreifter Muskulatur, die bewusst gesteuert werden kann. Dann gibt es die glatte Muskulatur (zum Beispiel in den Blutgefäßen), die Reflexen unterworfen ist. Eine Ausnahme bildet der Herzmuskel, der nicht bewusst gesteuert werden kann, aber auch vom Nervensystem abgekoppelt ist, um auch bei Ausfall anderer Körpersysteme weiter zu arbeiten.

Schutz vor Krankheiten

Gut trainierte Muskeln sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sie sind auch in der Lage, Krankheiten vorzubeugen. Der altersbedingte Muskelschwund kann weitreichende Auswirkungen haben. Zwischen dem 30. und 80. Lebensjahr verliert man ungefähr die Hälfte seiner Muskelmasse. Muskeln sind maßgeblich für den Verbrauch von Kalorien und Zucker verantwortlich. Außerdem sorgt die Muskelpumpe der Beine mit dafür, dass das Blut gegen die Schwerkraft wieder zum Herzen zurückfließen kann. Mehr Muskeln verringern das Risiko für erhöhten Blutdruck, Diabetes und Herzinfarkt.

Eigenständig im Alter

Nicht nur Gangunsicherheit und daraus resultierende Sturzgefahr, sondern auch die fehlenden Abfangmechanismen wie ein rechtzeitiger Ausfallschritt führen oft zu schmerzhaften Verletzungen und Brüchen im Alter. Einschränkungen an Mobilität und Gestaltungsmöglichkeiten im Alltag sind auch häufige Konsequenzen des Muskelverlusts. Nur mit kräftigen Muskeln kann man länger eigenständig aufstehen, Treppen steigen und den Einkauf nach Hause tragen. Selbst in den eigenen vier Wänden hat man immer weniger Handlungsspielraum, je weniger Muskeln man hat. Selber Kochen, die Wäsche machen und Dinge aus Regalen holen wäre mit etwas Krafttraining bei den Meisten bis ins hohe Alter möglich.

Wichtige Nachrichten vom Muskel

Nach neuen Erkenntnissen wird die Muskulatur nicht nur als funktioneller Teil des Bewegungsapparates gesehen, sie gilt auch als wichtigstes Stoffwechselorgan des Körpers. So schütten arbeitende Muskeln eine Reihe von Botenstoffen, sogenannte Myokine aus, die sich positiv auf den gesamten Körper auswirken, indem sie die Fettverbrennung aktivieren oder Diabetes vorbeugen. Es gibt über 400 unterschiedliche Myokine, die bei der Aktivierung unterschiedlicher Muskeln ausgesandt werden. Was genau sie jeweils bewirken können, ist gerade Gegenstand internationaler Forschungsprojekte.

Achten Sie auf Ihr Herz!

Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigste Todesursache in Österreich. Vor allem Frauen ist zu wenig bewusst, dass ihr Risiko an einem Herzleiden zu erkranken nach der Menopause genauso hoch ist wie das der Männer. Dem soll die Initiative "Starke Frauen. Starke Herzen" entgegenwirken, die ÄrztInnen und Patientinnen über die Vorsorge von Gefäßerkrankungen bei der Frau aufklären soll. Bei ihnen äußert sich der Herzinfarkt meist anders als bei Männern: Nicht der linksseitige Schmerz in Brust und Arm tritt bei Frauen meist ein, sondern Beklemmungen im Brustraum, Übelkeit und Atemnot. Als Prävention hilft auch hier am besten Ausdauersport.
Das führt uns zum nächsten Kapitel: Sport bedeutet nicht gleichzeitig Muskelaufbau.

Neuer Trend: High-Intensity-Training

Das sogenannte Hochintensitätstraining ist in letzter Zeit immer mehr im Kommen. Es zeichnet sich durch kurze und harte Trainingseinheiten aus, denen eine mehrtägige Regenerationszeit folgt. Es sollte zwei bis drei Mal pro Woche nicht länger als eine Stunde trainiert werden. Dabei wird jede Übung so oft ausgeführt, bis die Trainierenden an ihre Grenzen stoßen. Dann sollten immer noch ein bis zwei Wiederholungen mehr gemacht werden, auch wenn diese nur zum Teil ausgeführt werden können. Dadurch werden die Muskeln angeregt, bis zum nächsten Training zu wachsen. Wichtig ist auch, nach dem Training das abgebaute Eiweiß wieder zu ersetzen. Dafür muss nicht auf Zusatzprodukte wie Proteinshakes zurückgegriffen werden. Eier, Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind genauso effektiv.

Rufen Sie an und diskutieren Sie mit! Kostenlos unter 0800/22 69 79.

-Betreiben Sie Muskelaufbautraining?
-Achten Sie dabei auch auf ihre Ernährung?
-Hätten Sie gerne mehr Kraft im Alltag und wissen nicht, wie Sie diese aufbauen können?
-Hatten Sie als Frau schon Anzeichen einer Herzerkrankung, die zuerst falsch interpretiert wurden?
-Konnten Sie schon eine Krankheit durch Muskeltraining zum Verschwinden bringen?

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung: Mag.a Sarah Binder.
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Podczeck-Schweighofer
Fachärztin für Kardiologie und Intensivmedizin, Vorständin des Instiuts für Kardiologie am Sozialmedizinischen Zentrum Süd, Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft
Sozialmedizinisches Zentrum Süd - Kaiser Franz Josef-Spital
5. Medizinische Abteilung/Kardiologie
Kundratstraße 3
1100 Wien
01/60191/2501
E-Mail
Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Podczeck-Schweighofer

Univ.-Prof. Dr. Michael Quittan
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Vorstand des Instituts für Physikalische Medizin des Sozialmedizinischen Zentrums Süd
Sozialmedizinisches Zentrum Süd - Kaiser-Franz-Josef-Spital
Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation
Kundratstraße 3
1100 Wien
01/60191/3401
E-Mail
Michael Quittan

Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing
Sport- und Erziehungswissenschaftler, Professor für Sportwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau, Spezialist für Hochintensitätstraining, selbst Kraft- und Ausdauersportler
Universität Koblenz-Landau
Institut für Sportwissenschaft
Fortstraße 7
D-76829 Landau
+49/6341/280-31289
E-Mail
Jürgen Gießing

Ö1 Radiokolleg zum Muskelapparat
Sport und Fitness für Senioren
Initiative "Starke Frauen. Starke Herzen"
Österreichische Kardiologische Gesellschaft
Kurz, knackig, effektiv - Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing zum Hochintensitätstraining
Bericht im SWR zu Myokinen

Jürgen Gießing, "Muskeltraining für Senioren", Limpert 2014

Jürgen Gießing, "Muskeln in Minuten: Hochintensitätstraining (HIT) für Muskelaufbau und Fitness", Books on Demand 2016

Jan Pauls, "Das große Buch vom Krafttraining", Copress Sport 2014

Kraftwerk Körper. Wissen für Faszien, Herz, Muskeln & Rücken mit Übungen.
Bild der Wissenschaft 2015 (DVD)

Sendereihe