Zwei Männer mit Ski

AFP/CHRISTOF STACHE

Der rätselhafte Absturz des Morduch Max Halsmann und der Prozess gegen seinen Sohn Philipp Halsmann

Museum der Meisterwerke: Mord im Zillertal. Der rätselhafte Absturz des Morduch Max Halsmann. Eine Rekonstruktion von Eva Roither

10. September 1928: Im Tiroler Zillertal ereignet sich ein Unfall, der zu einem spektakulären Indizienprozess führt und weit über die Grenzen Österreichs hinaus für Aufsehen sorgt: Der aus Riga stammende jüdische Zahnarzt Morduch Max Halsmann unternimmt mit seinem 22-jährigen Sohn Philipp (dem später berühmten "Life"- und "Vogue"-Fotografen) eine Bergtour. Morduch Max Halsmann kommt bei dieser Wanderung ums Leben. Die Version seines Sohnes lautet: Der Vater ist abgestürzt.
Die Tiroler Kriminalbeamten glauben etwas anderes: Max Halsmann ist durch zahlreiche wuchtige Hiebe auf den Kopf erschlagen worden.

Philipp Halsmann wird wegen Verdachts auf Vatermord verhaftet. Am 13. Dezember 1928 beginnt in Innsbruck die Verhandlung gegen den Angeklagten. Im politisch aufgeladenen Klima der Zwischenkriegszeit wird aus dem Kriminalfall eine internationale Affäre - Schriftsteller und Intellektuelle von Sigmund Freud bis Albert Einstein setzen sich für den jüdischen Angeklagten ein, österreichische Nazi-Blätter hingegen sind von dessen Schuld überzeugt. Halsmann wird zuerst wegen Mordes zu zehn, dann wegen Totschlags zu vier Jahren Kerker verurteilt. 1930 wird er vom österreichischen Bundespräsidenten begnadigt.

Im Tiroler Zillertal erinnert man sich heute noch an den "Halsmann-Fall", der 1991 wieder für Aufregung sorgt: Als man den Kopf von Morduch Max Halsmann vom gerichtsmedizinischen Institut in Innsbruck fordert, um ihn - endlich - zu beerdigen.

Redaktion: Elisabeth Stratka
Technik: Martin Leitner
Sound: Philip Scheiner
SprecherInnen: Michou Friesz, Cornelius Obonya, Johannes Nicolussi, Fritz von Friedl

Besonderer Dank an den Schriftsteller und Journalisten Martin Pollack

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Buch-Tipp
Martin Pollack: "Anklage Vatermord. Der Fall Philipp Halsmann", Zsolnay Verlag


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