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HARALD HUND

Sommerreprisen: Diagonal Stadtporträt Tiflis. Die Stadt an der Kreuzung.

Sommerreprisen:
Diagonal Stadtporträt Tiflis. Die Stadt an der Kreuzung.
Eine Sendung von Johann Kneihs und Peter Lachnit

Der russische Dichter Boris Pasternak nannte die Stadt eine Chimäre - ein Fabelwesen mit westlichem Kopf und östlichem Rumpf. Tiflis, georgisch Tbilisi, verdankt seiner strategischen Lage an sieben historischen Handelsstraßen nicht nur Gutes. Die Perser haben Tiflis erobert, die Araber, Byzantiner, Seldschuken. Den Georgiern und ihrer wichtigsten Stadt waren nur kurze Perioden der Unabhängigkeit gewährt - im Mittelalter beispielswiese, einer Blütezeit des nach seinen heißen Thermalquellen benannten Tiflis mit frühchristlichen Kirchen, Badehäusern und bemerkenswert urbaner Kultur.

1801 annektierte das zaristische Russland Georgien. Romantiker in Petersburg und Moskau schwärmten für ihr "Italien", den Kaukasus. Der russischen Epoche schuldet Tiflis manche seiner schöneren Viertel, darunter den Rustaweli-Boulevard mit Prunkbauten und Jugendstilhäusern, den sieben sowjetischen Jahrzehnten hingegen ausgedehnte Plattenbauten, den jüngeren Jahren aber spektakuläre Neubauten etwa der italienischen Architekten Massimiliano und Doriana Fuksas.

Die Umgestaltung der Stadt scheint zum Zankapfel zwischen Präsident und Bürgermeister und zum Gegenstand symbolischer Kulturkämpfe geworden zu sein: zwischen liberal eingestellten Modernisierern und konservativen Nationalisten. Georgische Intellektuelle beklagen ein rauer werdendes Klima in der einzigen georgischen Millionenstadt - die bis jetzt eine kosmopolitische Metropole und Zentrum einer produktiven Kunst- und Kulturszene war und ist.

Erstausstrahlung: 12. November 2016

Service

Adolph Stiller (Hg.), "Tiflis. Architektur am Schnittpunkt der Kontinente", aus der Reihe "Architektur im Ringturm", Müry Salzmann Verlag

Stephan Wackwitz, "Die vergessene Mitte der Welt. Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan", S. Fischer Verlag (antiquarisch)

Stephan Wackwitz, "Tiflis, fünf Jahre später" in Merkur Heft 810, Verlag Klett-Cotta

Marlies Kriegenherdt, "Reise Know-How Georgien. Reiseführer", Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH

Manfred Sapper, Volker Weichsel (Hg.), Zeitschrift "Osteuropa" Heft 7-10: "Grenzland. Konflikt und Kooperation im Südkaukasus", Berliner Wissenschafts-Verlag

Kaukasische Post

Playlist

Komponist/Komponistin: Trad (Georgien)
Titel: Adila Alipasha
Ausführende: Anchiskhati Church Choir
Länge: 02:35 min
Label: live Eigenveröffentlichung

Komponist/Komponistin: Niaz Diasamidze
Titel: Galaktioni
Ausführende: Niaz Diasamidze & 33a
Länge: 03:42 min

Komponist/Komponistin: Dima Dadiani
Titel: Java Java
Ausführende: Dima Dadiani
Länge: 02:05 min
Label: Dima Dadiani

Komponist/Komponistin: Trad. (Georgien)
Titel: Suliko
Ausführende: Nino Katamadze & Insight
Länge: 03:18 min
Label: Perron 2002

Komponist/Komponistin: Inola Gurgulia
Album: In The Beginning Was The Song
Titel: Adamiani (menschlich)
Ausführende: Inola Gurgulia
Länge: 01:40 min

Komponist/Komponistin: Chester
Titel: Chemi qalqi (Meine Stadt)
Ausführende: Chester
Länge: 02:11 min
Label: Hiphopmovement Chemi qalqi 201

Komponist/Komponistin: Sakaria Paliashvili
Album: STIMMEN HINTER DEM EISERNEN VORHANG: SOWJETISCHE SÄNGER/INNEN DER STALIN-ÄRA
NIKO KUMSIASHVILI (1892-1942)
Titel: Arioso des Malkhaz aus der Oper "Daisi"
Solist/Solistin: Niko Kumsiashvili /Malkhaz, Tenor
Ausführender/Ausführende: Orchester und Dirigent nicht bekannt
Ausführender/Ausführende: Niko Kumsiashvili/1892 - 1942
Länge: 01:27 min
Label: Preiser 89409 (4 CD)

Sendereihe

Gestaltung