Kleine Kreuzkröte

APA/DPA

Kreuzkröte

Warzige Zeitgenossen mit Seltenheitswert.
Der Biologe Axel Schmidt erzählt über die Kreuzkröte, die gefährdetste Amphibienart Österreichs.
Teil 4: Schutzmaßnahmen für das Überleben.
Gestaltung: Wolfgang Bauer

Die Kreuzkröte (Bufo calamita) ist die am stärksten gefährdete Amphibienart Österreichs. Sie kommt hierzulande an nur zwei Standorten vor - am Lech in Tirol mit etwa 20 Individuen sowie im Waldviertel bei Gmünd mit etwa 550 Individuen. Die Tiere bevorzugen Lebensräume mit lockeren Böden, in die sie sich als nachtaktive Lebewesen tagsüber vergraben können, die hohe Temperaturen aufweisen und die vegetationsarm sind. Das waren früher Schwemmsandböden von Bach- oder Flussauen. Durch die weitgehende Zerstörung dieser ursprünglichen Lebensräume (Primärhabitate) an Fließgewässern lebt die Kreuzkröte heute in von Menschen gestalteten so genannten Sekundärhabitaten wie Sandgruben oder Steinbrüchen.

Im Namen der Kreuzkröte steckt bereits ein Hinweis auf ein besonders auffälliges Merkmal - das Kreuz. Aber es handelt sich nicht etwa um eine kreuzförmige Zeichnung, sondern um eine markante gelbe Linie am Rücken, der ja umgangssprachlich als Kreuz bezeichnet wird.

Die Kreuzkröte ist nicht nur die seltenste Amphibienart Österreichs, mit einer durchschnittlichen Kopf-Rumpflänge von 60 Millimetern ist sie auch eine der kleinsten Kröten. Und sie ist die einzige Kröte, die sich laufend und nicht springend fortbewegt und dabei beachtliche Geschwindigkeiten erreicht. Dabei bewältigt sie mühelos Distanzen von zwei oder drei Kilometern. In den Sandgruben von Gmünd im Waldviertel können Aktionsradien von etwa einem Kilometer beobachtet werden. Auch die Kletterfähigkeit der Tiere ist beachtlich, sie überwinden mühelos steile Sandböschungen oder klettern auf Pflanzen, um Insekten zu fangen.

Zur Fortpflanzung sucht die Kreuzkröte wie fast alle heimischen Amphibien Gewässer auf. Das sind in den Sanddünen bei Gmünd sehr seichte Gewässer, die immer wieder austrocknen können. Durch drei zeitlich voneinander getrennte Laichperioden zwischen April und August minimiert jedoch die Kreuzkröte das Risiko, durch eine Trockenperiode ihren gesamten Nachwuchs zu verlieren. Mit enorm lauten Rufen - bis zu 90 Dezibel - locken die Männchen die Weibchen zur Paarung an die Laichgewässer.

Was die Gefährdung der Kreuzkröte an den beiden Standorten in Österreich angeht, so ist die Situation bei den 20 Individuen am Lech trotz Schutzmaßnahmen und Nachzuchten im Alpenzoo Innsbruck dramatisch. In den Sanddünen von Gmünd ist die Situation wesentlich entspannter. Die Population dort ist seit Jahren konstant, gezielte Schutzmaßnahmen sind nicht erforderlich. Durch den Sandabbau werden immer wieder neue Lebensräume für die Kreuzkröte geschaffen. Zusätzlich entstehen Ausgleichsflächen, so dass das Waldviertler Vorkommen für die nächsten Jahre gesichert zu sein scheint.




Service

INTERVIEWPARTNER:

Mag. Axel Schmidt
Ingenieurbüro für Biologie und Ökologie
A-3970 Weitra

Webseite von herpetofauna

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