Vom Faschismus zur Autonomie - Südtirols Geschichte

Südtirol im 20. Jahrhundert. Mit Rolf Steininger, emeritierter Professor am Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck.
Gestaltung: David Winkler-Ebner

Rund eine halbe Autostunde südlich von Innsbruck liegt der Brenner, jener Alpenübergang, der nicht nur angesichts der jüngsten Flüchtlingsproblematik zum Spielball internationaler Politik wurde. Vor knapp 100 Jahren wurde hier eine Grenze gezogen, die laut dem Historiker Rolf Steininger zu einer der willkürlichsten der Welt gehört. Hier wurde das Land Tirol geteilt und das fast zur Gänze deutschsprachige Südtirol, seit mehr als fünfhundert Jahren in österreichischer Hand, fiel Italien zu, als Preis für dessen Kriegseintritt an der Seite der Entente im Jahr 1915.

Seither erlebte das Land Südtirol eine wechselvolle und über weite Strecken leidvolle Geschichte. Die Faschisten, seit 1923 in Italien an der Macht, betrieben eine rücksichtslose Italianisierungspolitik: Die deutsche Sprache wurde unterdrückt, der Name "Südtirol" verboten.

Zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zerschlugen sich die anfänglichen Hoffnungen der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol, "heim ins Reich" geholt zu werden, bald. Stattdessen riss die "Option", die die Beibehaltung der italienischen Staatsbürgerschaft oder die Auswanderung ins Deutsche Reich zur Wahl stellte, tiefe Gräben in die Gesellschaft.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Südtirol "in die Mühlen des Kalten Krieges", wie Rolf Steininger schreibt und die in Aussicht gestellte Autonomie ließ lange auf sich warten.

Heute zählt die deutschsprachige Minderheit in Südtirol zu einer der bestgeschützten der Welt, doch das Misstrauen zwischen den Sprachgruppen wich nur langsam und auch heute noch sind manche der Wunden zu spüren, die die turbulente Geschichte des Landes im vergangenen Jahrhundert geschlagen hat.

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