Lesende Frau

AP/FRANCOIS MORI

50 Jahre später: Roland Barthes Text wiedergelesen.

Der Autor ist tot, es lebe der Leser!
Gestaltung: Ulrike Schmitzer

Mit dem Titel "Der Tod des Autors" provozierte der französische Philosoph Roland Barthes eine Debatte, die bis heute aktuell ist. 1967 erschien der Text auf Englisch, 1968 löste die französische Version dann eine Diskussion über die Rolle des Autors in der Literatur aus. Für Barthes ist der Leser die wichtigste Instanz, er verleiht einem Text erst Sinn.

Der Autor hingegen soll hinter dem Text verschwinden. "Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors", proklamierte er. Dementsprechend sollte auch die Literaturkritik einen völlig neuen Ansatz suchen: nicht mehr die Biografie des Autors sollte die Interpretation bestimmen, sondern der Akt des Lesens. Was damals noch utopisch klang, ist heute Alltag: Anonyme Autorenkollektive produzieren zahllose Texte im Internet, wenn auch nicht von literarischem Wert.

Steht der Tod des Autors nun wirklich bevor? Der Philosoph Michel Foucault antwortete sehr schnell auf Barthes Text mit seinem Aufsatz "Was ist ein Autor?" Der Autor ist demnach zwar nicht mehr das Genie, das einzig und allein Macht über einen Text hat, aber er ist auch nicht ersatzlos abzuschaffen. Die beiden Texte gehören heute zum Kanon der Literaturwissenschaft.

Ironischerweise unterstellt man diesen undurchdringlichen Texten allerdings, dass sie nur so bekannt sind, weil sie von berühmten Autoren stammen. Das hatten die zwei Philosophen wohl nicht so beabsichtigt. Eine Sendung zum Schwerpunkt "Baujahr 67 - Zeitreisen mit Ö1".

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