Conchita

AP/RONALD ZAK

Von Agnes zu Conchita

50 Jahre " doing gender"
Von Marlene Nowotny

1967 legte der Soziologe Harold Garfinkel eine Studie zu sozialem Geschlecht und gesellschaftlichen Vorstellungen vom Frau-Sein vor. Er hatte die transidente Agnes beobachtet, die - um den Rollenerwartungen zu entsprechen - lernen musste, sich wie eine Frau zu verhalten: also nicht auf der eigenen Meinung beharren, öfter einlenken, sich weniger durchsetzen. - Vor 50 Jahren war es noch relativ einfach: Es gab zwei Geschlechter, Mann und Frau, eines von Natur aus stark, eines schwach.

Vom Unterschied zwischen "sex", dem biologischen Geschlecht, und "gender", der dazugehörigen sozialen Konstruktion, war damals noch keine Rede. Doch dieses starre, binäre System bekommt Ende der 1960er Jahre erste Risse. Die sexuelle Befreiung der Frau ist nicht länger aufzuhalten. In den USA schafft es die Antibabypille sogar auf das Cover des Time-Magazine, und die feministische Bewegung bekommt mit Texten wie dem "SCUM Manifesto" eine radikalere Ausrichtung.

Harold Garfinkel legte mit seiner Agnes-Studie einen Grundstein für das Konzept des "doing gender", das bis heute eine zentrale Rolle in den Genderstudies spielt. Haben sich die Rollenerwartungen an die Geschlechter in den vergangenen 50 Jahren geändert? Wie weit war die damalige Gesellschaft von Gleichberechtigung entfernt? Wie viel näher sind wir ihr heute gekommen? In einer Gegenwart, die gerade lernt, neben männlichen und weiblichen viele verschiedene Geschlechter zu akzeptieren?

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