Neue Medikamente gegen Rheuma

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen - Neue Therapiestrategien

2017 wird als eines der besseren Jahre in die Annalen der Rheumatologie eingehen. Eine ganze Reihe neuer Medikamente werden dieses Jahr zugelassen. Besonders spannend erscheinen die Inhibitoren der Januskinase.

Eine ganze Familie von unangenehmen Erkrankungsbildern

Geschwollene Gelenke, verformte Finger, Muskelentzündungen - das sind nur einige Beispiele für etwa 200 Erscheinungsformen von Rheuma. Obwohl die Krankheit extreme Schmerzen hervorrufen kann, ist ihr Stellenwert in der österreichischen Medizinlandschaft traditionell sehr gering.

Fehlgeleitetes Immunsystem

Der Erkrankungsmechanismus bei den entzündlich-rheumatischen Formen (wie Rheumatoide Arthritis) hat mit der Körperabwehr zu tun. Es werden plötzlich körpereigene Strukturen attackiert: wie Gelenke, die Wirbelsäule, aber auch die Haut, Blutgefäße, das Bindegewebe und ganze Organe.
Viele Betroffenen haben Erschöpfungszustände - Job und Alltag werden zur Belastungsprobe.
Etwa 1.500 Kinder und Jugendliche erkranken in Österreich jährlich an Rheuma.

Das Um und Auf

…ist die rechtzeitige Diagnose. Man spricht vom therapeutisch-diagnostischen Drei-Monatsfenster. Wird innerhalb eines Vierteljahres eine entzündliche Gelenkserkrankung erkannt und behandelt, so stehen die Chancen auf weitgehende Beschwerdefreiheit gut. Je mehr Zeit verstreicht, desto eher droht ein schmerzhafter, chronischer Verlauf.
Engmaschige Kontrollen und eine gute Betreuung sollten ebenfalls zum Standard gehören. Die Realität der Betroffenen sind jedoch meist anders aus: überfüllte Ambulanzen und eine zu geringe Zahl an niedergelassen Spezialisten. Solche mit Kassenverträgen sind überhaupt kaum zu finden.

"Kaum jemand kennt sich aus"

Einer unserer Sendungsgäste ist die 65-jährige Wienerin Ernestine Neumann. Sie leidet seit ihrem 19ten Lebensjahr an Psoriasis-Arthritis, einer speziellen Form entzündlichen Rheumas. Bei etwa 20 Prozent aller Menschen, die von der Hauterkrankung Psoriasis, der Schuppenflechte betroffen sind, kommt es auch zu Entzündungen an Gelenken, Sehnen und der Wirbelsäule. Ernestine Neumann war früher von heftigen Schmerzen geplagt. 2015 wurde dann Apremilast, ein Wirkstoff aus der Gruppe der "small molecules" in Österreich zugelassen. Seitdem sie dieses Medikament nimmt, geht es Ernestine Neumann wesentlich besser. Nichtsdestotrotz habe man es als Rheumapatient in Österreich alles andere als leicht, betont auch sie. Denn kaum jemand fühle sich für diese Erkrankung zuständig.

Neue Substanzklasse

Die Familie der sogenannten Tyrosinkinasen besteht aus derzeit etwa 80 bekannten Kinasen - darunter auch die "doppelgesichtige".
Was diese Substanzen so interessant macht, ist ihre Wirkung in der Zelle. Im Klartext beeinflussen sie das Zusammenspiel von mehreren Zytokinen, die wiederum für die Überreaktion des Immunsystems bei eben Rheuma sorgen. Und indem sie diese Wirkung innerhalb der Zelle ausüben, sind sie besonders effektiv. Zweiter Vorteil: Man kann sie schlucken und muss sie nicht unter die Haut spritzen oder als Infusion verabreicht bekommen.
Nach wie vor ist die Substanz Methotrexat der Goldstandard bei der Therapie von entzündlichem Rheuma.
Je mehr Alternativen zur Verfügung stehen, desto besser: Denn die Therapie muss individuell abgestimmt werden.
Und die Rheumatologie entwickelt sich stetig weiter.
Das Krankheitsbild der Psoriasis hat quasi den Fachbereich gewechselt. Früher waren die Dermatologen zuständig, jetzt wird die Therapie auch von Rheumatologen durchgeführt.

Das Tanzbein schwingen

Bewegung tut Körper und Seele gut - und zwar auch von Menschen, die an Rheuma erkrankt sind. Um Gelenkigkeit und Mobilität zu steigern, eignen sich zum Beispiel Sportarten wie Schwimmen und Radfahren gut. Ideal ist es natürlich, wenn man auf die Anstrengung vergisst, weil das ganze so viel Spaß macht. Wie etwa beim Tanzen. Für Rheumapatienten bietet die Rheumaliga Österreich daher am 14.10. an der MedUni Wien einen Tanzsalon an. Von 16:00 bis 19:00 in der Van Swieten Gasse 1a im neunten Bezirk. Mit dabei sind Tanzprofi und Dancing Star Gerhard Egger, Physiotherapeuten und nichts zuletzt unser Sendungsgast, der Rheumatologe Univ.-Doz. Dr. Johannes Grisar. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter www.rheumaliga.at oder unter 0664/596 58 49.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz.
Redaktion: Dr. Christoph Leprich und Mag.a Nora Kirchschlager.

Fragen:
Von welcher Rheumaform sind Sie betroffen?
Welche Medikamente helfen Ihnen?
Welche Bewegungsform tut Ihnen gut?
Ernähren Sie sich auf eine spezielle Art?
Sind Sie mit der medizinischen Betreuung zufrieden?

Reden Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.


Service

OÄ Dr. Judith Sautner, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, Oberärztin am Landesklinikum Weinviertel Stockerau

Ernestine Neumann
65 Jahre, von Psoriasis-Arthritis betroffen

Doz. Dr. Johannes Grisar, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, Experte auf der Veranstaltung "Rheuma Bewegt - Tanzsalon Wien" am 14.10. an der MedUni Wien

Rheuma bewegt - Tanzsalon in Wien am 14.10.
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