Bühne Großer Sendesaal

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Alltag zwischen Individualisierung und Singularisierung

Wiener Vorlesungen: Ein Vortrag von Thomas Macho mit anschließendem Gespräch mit Brigitta Schmidt-Lauber und Hubert Christian Ehalt
(aufgenommen am 22. Juni 2017 im Großen Sendesaal des RadioKulturhauses)
Bearbeitung: Robert Weichinger

Die letzten Jahrzehnte waren durch Entwicklungen geprägt, in denen die Menschen - jedenfalls in der westlichen Welt - zahlreiche Chancen ergriffen, ihre persönliche Identität zu entfalten. Dadurch wurden die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen vielfältiger, die Rolle der "medialen Miterzieher" (Fernsehen, Computer, soziale Medien) gewann an Bedeutung, die familiären Strukturen werden in der Patchwork-Gesellschaft komplexer.

Der Bedeutungsgewinn der unterschiedlichen Medien und der Bedeutungsverlust realer Beziehungen und Kommunikationsvorgänge, die gleichzeitig vor sich gehen, bewirken eine Entwicklung hin zur Singularisierung. In den aktuellen Arbeitswelten spielt Teamwork - obwohl seine Förderung zu den Grundsätzen des Wissensmanagements gehört - keine wesentliche Rolle.

Die Sozialisation, Ausbildung und Qualifikation von jungen Menschen fokussiert darauf, Individuen zu formen, die durchsetzungsfähig und autonom sind - und nicht so sehr auf die Förderung der Entfaltung von Empathie, Kooperationsfähigkeit und Kollegialität. Somit ist aktuelle Individualität janusköpfig: Auf der einen Seite zeigt sich das Bild eigenständig agierender und schillernder Persönlichkeiten; die Kehrseite der Individualität ist eine nicht selten bedrückende Singularität der Akteurinnen und Akteure.

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