Eine Hand mit brennender Zigarette

APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Abschiede vom blauen Dunst

Die Nichtrauchergesetze 2018


Silvester 2017/2018 werden vermutlich mehr rauchende Österreicherinnen und Österreicher ihren vermeintlich letzten Glimmstängel im Aschenbecher ausdrücken als in den vergangenen Jahren. Grund dafür sind die neuen Nichtrauchergesetze, die ab Mai 2018 in Kraft treten.

Was sich ändern wird

Ab diesem Zeitpunkt gilt ein generelles ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie. Von der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wurde bislang die Tatsache, dass bald auch am Arbeitsplatz nicht mehr geraucht werden darf - selbst dann nicht, wenn sich beispielsweise in einem Zimmer ausschließlich Raucher befinden.
Auch im Bereich des Jugendschutzes gibt es Verbesserungen. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht mehr rauchen und es dürfen ihnen auch keine Zigaretten verkauft werden. Letzteres soll durch sogenanntes "mystery-shopping" - also verdecktes Testkaufen - in Trafiken besser kontrolliert werden.

Mächtige Tabakindustrie

Diese positive Entwicklung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Maßnahmen in den anderen europäischen Ländern schon vor Jahren umgesetzt wurden. Zahlenmäßig befindet sich Österreich, was die Raucher anbelangt, im internationalen Vergleich weiterhin im Spitzenfeld - und das, obwohl in den letzten Jahren tendenziell immer weniger rauchen. Etwa 25 Prozent der unter 18-jährigen Burschen und 29 Prozent der Mädchen geben an, täglich zumindest eine Zigarette zu rauchen. Bei den Erwachsenen rauchen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.
Umgekehrt ist Österreich in Bezug auf gesetzliche Tabakkontrolle international weit abgeschlagen. Präventive Maßnahmen, die (nicht nur) in unseren Nachbarländern schon längst eingeführt sind, existieren in Österreich nur als graue Theorie: etwa rauchfreie Schulen und Krankenhäuser, Nichtrauchen in Privatautos, wenn Kinder mitfahren, Verbot von indirekter Werbung etc. Eine der Ursachen dafür liegt im nach wie vor großen Einfluss der Tabakindustrie in Österreich.

Folgeschäden hinlänglich bekannt

Die gesundheitlichen Folgeschäden des Rauchens sind unter anderem: Raucherhusten COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs. Dies gilt nicht nur für aktives, sondern auch für passives Rauchen. Erstmalig soll nun eine COPD bei einer langjährigen Kellnerin als Berufserkrankung anerkannt werden.
Das Risiko für Folgeschäden ist umso größer, je früher Kinder und Jugendliche zu rauchen beginnen. Dramatisch stellt sich die Situation bei rauchenden Schwangeren dar. Die Kinder werden im Mutterleib durch Nikotin direkt vergiftet. Sie kommen häufig zu früh und viel zu klein zur Welt. Später haben sie u.a. aufgrund einer unterentwickelten Lunge mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Professionelle Hilfe gefragt

Einzig Rauchstopp kann die Entwicklung von Folgeerkrankungen verhindern bzw. sollten solche bereits vorliegen, ein weiteres Fortschreiten bremsen. Der Knackpunkt der Raucherentwöhnung besteht in der körperlichen und psychischen Abhängigkeit. Sie macht häufig den Versuch des Rauchstopps zunichte.
Daher ist professionelle Hilfe gefragt. In Österreich gibt es eine ganze Reihe von Angeboten. Besonders niederschwellig ist das Rauchfrei-Telefon, das unter der Telefonnummer 0800-810813 kostenfrei Informationen und Beratungsgespräche anbietet. Darüber hinaus existieren in Österreich flächendeckende ambulante Einrichtungen zur Raucherentwöhnung. Informationen dazu bieten neben dem Rauchfrei-Telefon auch die Gebietskrankenkassen.

E-Zigarette & Shisha

Als Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung stehen Nikotinersatzprodukte wie Kaugummi, Pflaster oder auch Medikamente zur Verfügung. Bis jetzt offen ist der mögliche Nutzen der E-Zigarette zur Entwöhnung. Dafür existieren noch nicht ausreichend Daten. Darüber hinaus besteht bei Jugendlichen, die noch nicht rauchen, die Gefahr, über die E-Zigarette nikotinabhängig zu werden.
Viel zu sehr verharmlost werden nach Meinung der Experten auch die als "sauber" angepriesenen Shishas. Sie enthalten kanzerogene Inhaltsstoffe, die vor allem im Mundbereich krebserregend wirken können.
Aber möglicherweise ist das Aufhören doch gar nicht so schwierig, wie viele denken. Einer unserer Sendungsgäste, der Kölner Motivationsexperte Dr. Stefan Frädrich, bietet erfolgreiche Rauchentwöhnungsseminare an - Dauer: lediglich fünf Stunden.

Wollen Sie mit dem Rauchen aufhören?
Wie haben Sie es geschafft, dem Nikotin abzuschwören?
Was halten Sie von E-Zigaretten?
Haben Sie bereits gesundheitliche Probleme durch das Rauchen?
Rauchen Sie am Arbeitsplatz?
Was halten Sie von den Rauchergesetzen, die 2018 in Kraft treten?

Reden Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung: Dr.in Michaela Steiner.
Redaktion: Dr. Christoph Leprich und Mag.a Nora Kirchschlager

Service

Prim. Dr. Alfred Lichtenschopf, FA für Innere Medizin, Psychotherapeut, Ärztlicher Leiter des Rehazentrums Weyer
Priv.-Doz.in Dr.in Angela Zacharasiewicz, FÄ für Kinder- und Jugendheilkunde, Zusatzfach Pädiatrische Pneumologie, leitende OÄ an der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, Wilhelminenspital Wien, Sekretärin der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden
em. o.Univ.-Prof. Dr. Manfred Neuberger, FA für Innere Medizin, Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin, Zentrum für Public Health, MedUni Wien, stv. Vorsitzender der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden
Dr. Stefan Frädrich, Motivationsexperte und Weiterbildungsunternehmer

Rauchfrei Telefon
Initiative Ärzte gegen Raucherschäden
Österr. Tabakgesetz
Österreichische Gesellschaft für Pneumologie: Österreich nach wie vor Schlusslicht bei der Tabakkontrolle
Atmen statt Husten (eine Kampagne der Österreichische Gesellschaft für Pneumologie)
Rauchstopp - Beratung und Hilfe
der Standard.at: Zwei Drittel der 15-jährigen Raucher kaufen Zigaretten in Trafik
netdoktor.at: Raucher bei Kindern und Jugendlichen
Deutsche Gesellschaft für Nikotinprävention e.V. (DGNP)
Karger Kompass Pneumologie: E-Zigaretten: Ein vielschichtiges moralisches Dilemma
Welt N24: Nikotin als Wirkstoff gegen Parkinson und Alzheimer?
Die Rauchfrei-Methode
VIVID Fachstelle für Suchtprävention: Tabak

Dr. Stefan Frädrich, Christina Frädrich, Ingo Buckert, "Einfach Nichtraucher (Gesund leben!): Die schnelle Methode zum nikotinfreien Leben", Compact 2011

Allen Carr, Ingeborg Andreas-Hoole, "Endlich Nichtraucher! Der einfache Weg, mit dem Rauchen Schluss zu machen", Goldmann Verlag, 50. Aufl. 2012

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