Senthuran Varatharajah

APA/GERT EGGENBERGER

"Ich finde das Konzept der Muttersprache reaktionär"

Der Germanist Manfred Mittermayer im Gespräch mit Senthuran Varatharajah, deutscher Schriftsteller tamilischer Herkunft

Als Senthuran Varatharajah noch kein halbes Jahr alt war, flohen seine tamilischen Eltern 1984 vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland. Dort wuchs er in Oberfranken und in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas auf. Sie waren es gewesen, die der Familie bei der Ankunft in Deutschland in vielerlei Hinsicht Unterstützung gegeben hatten. Aus Dank dafür konvertierte der Vater, die Mutter blieb der hinduistischen Religion verbunden.

Deutsch wurde für den Heranwachsenden die Sprache Gottes, Tamilisch blieb die Sprache des Alltags. Jene, wie Varatharajah sagt, die man von Ohr zu Ohr und von Auge zu Auge spricht.
Obwohl er die Zeugen Jehovas verließ, blieben ihm das Interesse und die Liebe an Religion. Er studierte Evangelische Theologie, Philosophie und Kulturwissenschaften.

Nun gilt seine Liebe dem Gedankengut Hegels und der Literatur. 2016 waren die Reaktionen auf die Veröffentlichung seines ersten Romans wie ein Paukenschlag. Für "Vor der Zunahme der Zeichen" erhielt Varatharajah unzählige Stipendien und renommierte Preise.

Das Gespräch führt der Germanist, Leiter des Literaturarchivs Salzburg und Intendant der Rauriser Literaturtage, Manfred Mittermayer.

Service

Senthuran Varatharajah, "Vor der Zunahme der Zeichen", Roman, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016

Rauriser Literaturtage

Am 22.Oktober starten Ö1 und das Theater in der Josefstadt in Wien mit einer Matinée im Theater, eine Gesprächsreihe unter dem Titel "Zeitgenossen im Gespräch". Der erste Gast ist die Politologin und Publizistin Ulrike Guérot. Mit ihrer Streitschrift "Der neue Bürgerkrieg. Das offene Europa und seine Feinde" hat sie sich kräftig in den politischen Diskurs um die Zukunft Europas eingemischt.
Die Matinée beginnt um 11.00 Uhr, Karten gibt es an den Tageskassen und per Internet.
Theater in der Josefstadt

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