Hörspielgeräusche wurden live produziert.

ORF

Rundfunk

Vom Propagandamedium zum Bildungsauftrag. Zur Geschichte des Österreichischen Rundfunks. Mit Wolfgang Duchkowitsch, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.
Gestaltung: Hanna Ronzheimer

Im Jahr 1924 gründete der Wiener Jurist Oskar Czeija (1887-1958) die Österreichische Radio-Verkehrs AG, kurz RAVAG. Das Radio sollte in seinen Anfängen vor allem die kulturelle Bildung des Volkes ermöglichen - mit Musik und Unterhaltungssendungen. Doch bereits zehn Jahre später, im Ständestaat ab 1934, wurde es vor allem als politisches Propagandamittel eingesetzt. Mit dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland endete vorerst die Zeit der RAVAG. An ihre Stelle trat der "Deutsch-Österreichische Rundfunk", von Berlin aus zentral gesteuert.

Im Wiener Funkhaus wurde der "Reichssender Wien" eröffnet. Der Volksempfänger brachte neben politischer Schönfärberei aber auch lebenswichtige Informationen, etwa Luftwarnungen vor feindlichen Angriffen. Nach dem Krieg nahm die RAVAG ihren Betrieb wieder auf, zugleich betrieben die Besatzungsmächte jeweils eigene Sender. Mit der Gründung der Österreichischen Rundfunk Ges.m.b.H. im Jahr 1957 stand das Radio und seit kurzem auch das Fernsehen im Dienst der Parteipolitik der Zweiten Republik.

Gegen Proporz und Propaganda wendete sich im Jahr 1964 das Rundfunkvolksbegehren, dessen Hauptproponent der Journalist Hugo Portisch war. Das Ergebnis: Ein Rundfunkgesetz im Jahr 1966, das den ORF zu einem offiziell parteiunabhängigen Rundfunk machte und mit dem Rundfunkgesetz von 1974 in eine Anstalt öffentlich-rechtlichen Rechts überführte. Seit den frühen 1990er Jahren hat der ORF seine Monopolstellung verloren und muss sich neben privaten Rundfunkanstalten behaupten. Mit dem Internet hat sich das Angebot an (jederzeit abrufbaren) medialen Inhalten vervielfacht. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht mit der Digitalisierung vor neuen Herausforderungen.

Erratum: Es ist unrichtig, dass der Sender FM4 als Reaktion auf den Erfolg von Radio Orange gegründet wurde, wie im Beitrag behauptet wurde. Richtig ist, dass FM 4 in mehreren Etappen entwickelt wurde, um den Anforderungen eines jüngeren Zielpublikums gerecht zu werden. FM4 nahm bereits drei Jahre vor Radio Orange seinen Sendebetrieb auf.

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