Michou Friesz

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Michou Friesz liest Djuna Barnes.

Djuna Barnes, "Vagaries Malicieuses" und "Klagelied auf das Linke Ufer". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Karin Kersten. Es liest Michou Friesz. Gestaltung: Nicole Dietrich

Djuna Barnes, die Bohémienne aus Greenwich Village, kommt 1919 mit 27 Jahren erstmals nach Paris. Sie wird für mehr als 20 Jahre bleiben und die amerikanische Szene an der Seine beflügeln wie beherrschen. In ihren ersten Skizzen, erschienen 1922, zeichnet sie eine sanft spöttische, verhaltene Liebeserklärung an die Metropole, schreibt über ihre Erwartungen und Eindrücke vom "Pariser chic" und von dem Leben der Bohème in Saint-Germain-des Prés. Sie trifft James Joyce, den sie verehrt und dessen "Ulysses" ebenfalls 1922 in Paris erscheint, erkennt den Sänger in ihm und den Bewunderer der griechischen Mythologie. Im intellektuell-lesbischen Zirkel um Natalie Clifford Barney in der Rue Jacob wird sie eine Heimat unter den Expatriates finden. Barney wird über Barnes schreiben: "Ihre Gedanken sind zersprungene Spiegel der Lebensfreude, an denen man sich schneidet."

1941, knapp vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, blickt sie aus New York zurück auf ihre Pariser Jahre und veröffentlicht einen nostalgisch verdichteten Artikel, ein später Dank an die Stadt und die Vitalität der 1920erJahre.

Djuna Barnes, geboren 1892, macht sich als Journalistin und Schriftstellerin vor allem in der Zwischenkriegszeit, ihren Jahren in Europa, einen Namen. Ihr Werk umfasst Reportagen, Portraits, Erzählungen und den Roman "Nightwood/ Nachtgewächse", mit dem sie in das chaotische Beziehungsgewebe von fünf homo- und heterosexuellen Charakteren in Paris eintauchen lässt. 1940 geht Barnes zurück nach New York, wo sie 1982 stirbt.

Service

Djuna Barnes, "Vagaries Malicieuses" und "Klagelied auf das Linke Ufer". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Karin Kersten. Aus: Djuna Barnes, "Paris, Joyce, Paris". Verlag Klaus Wagenbach, 1988

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