TEM meets TCM

Traditionelle europäische und chinesische Medizin im Vergleich


Heilende Kräuter, Kneipp-Kuren oder Aderlässe - in Europa entstanden in den letzten Jahrhunderten eine ganze Reihe von Heilverfahren. Viele davon sind mit dem Fortschritt der naturwissenschaftlich orientierten, modernen Medizin in Vergessenheit geraten. Seit einigen Jahren interessieren sich aber wieder mehr Menschen für Güsse, Wickel, Schröpf- oder Fastenkuren.
Am 13. und 14. Oktober 2017 findet in Wien dazu der Kongress zur Vielfalt der Traditionellen Europäischen Medizin - veranstaltet von der Wiener Akademie für Ganzheitsmedizin - statt. Hier widmet man sich der Kloster-, Volks-, oder Paracelsusmedizin und diskutiert, welche Rolle die traditionellen Heilverfahren im derzeitigen Gesundheitssystem spielen.

Tuina trifft Kneipp

Vor etwa 40 Jahren hielten die Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit Kräutermischungen, Akupunktur, Tuina oder Akupunkt-Massage bei uns Einzug.
Begriffe wie das "Qi" und die "Meridiane" wurden in die deutsche Sprache aufgenommen und deren Bedeutung ist allgemein bekannt. Nun erinnert man sich zusehends auch der Vielfalt der medizinischen Heilmethoden aus der eigenen Kultur, wie sie einst in den Klöstern, etwa von Hildegard von Bingen, gesammelt, weiterentwickelt und auch praktiziert wurden.

Die Grundlagen der TCM

Im Zentrum der traditionellen chinesischen Medizin steht das Qi. Diese Lebensenergie durchströmt den ganzen Körper und zwar innerhalb des "Leitsystems" der Meridiane. Als zweites Grundprinzip wird das dynamische Ying-Yang-Gleichgewicht angesehen. Die dritte Säule sind die Wandlungsphasen der fünf Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.
Das Heilsystem der TCM fußt auf Kräutermedizin, der Energielehre (Akupunktur etc.), Bewegungsübungen wie Tai Chi und einer sehr ausgeklügelten Ernährungslehre.

TEM - ein bunter Haufen

Unter dem Begriff TEM werden recht unterschiedliche Ansätze zusammengefasst: Kneippen, Homöopathie, Klostermedizin, das alte Wissen der Druiden, Heilpflanzen, usw. Hauptsache auf europäischem Boden entstanden. Es darf vorsichtig gefragt werden, wie die von Hippokrates erdachte 4-Säfte-Lehre (gelbe Galle, Blut, Schleim, schwarze Galle) die Humoralpathologie, die Signaturenlehre (das Achten auf Ähnlichkeiten, Verwandtschaften und innere Zusammenhänge in der Natur), die Zungen- und Pulsdiagnose, mittelalterliche Kochkunst, die Pentalogie, der Mesmerismus etc. ein sinnvolles Ganzes ergeben können.

"Vier Säfte" trifft "Fünf Elemente"

So unterschiedlich die Methoden aus Europa und Fernost auf den ersten Blick auch sein mögen, gibt es dennoch Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel durch die Betrachtung des Menschen selbst und weniger durch das Erheben von Befunden zu einer Diagnose zu kommen. Leicht nachzuvollziehen: Denn in Ermangelung der modernen, diagnostischen Möglichkeiten musste man sich schließlich in der traditionellen Medizin auf diese Beobachtungen beschränken.
In der TCM spielt die Interaktion der Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser eine Rolle.
Die TEM unterscheidet, nach der antiken Vier-Säftelehre, Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker. Jedem Typus ist ein bestimmtes Element zugeordnet. Dem Melancholiker zum Beispiel Erde, dem Choleriker hingegen Feuer. Irgendwie logisch.

Bei beiden Methoden beschreibt man die verschiedenen Qualitäten des Pulses und schenkt dem Zustand der Haut, der Haare oder auch des Körpertonus und des Harns große Aufmerksamkeit.
Eine psychosomatische Herangehensweise an Gesundheitsbeschwerden war von Anfang an selbstverständlich, auch wenn sie damals noch nicht so genannt wurde. Dazu kam immer auch schon eine spirituelle Komponente. Ein Umstand, der dazu führt, dass manche Verfahren heute für Kritiker in den Bereich der Esoterik fallen.

Tradition trifft Moderne

Über die Wirksamkeit der Methoden wird freilich diskutiert, wie der Medizinhistoriker Karl-Heinz Steinmetz erklärt: "Auch wenn das persönliche Wohlbefinden subjektiv gesteigert werden kann, sind Studien nötig, die die Effizienz auch belegen können." Da das Interesse von Seiten der Gesundheitsindustrie an den von der Natur gratis zur Verfügung gestellten Heilmitteln eher gering sei, fehle es jedoch an Forschungsgeldern.

Fragen:

Wurden in Ihrer Familie traditionelle Heilverfahren über die Generationen weitergeben, die Sie nach wie vor anwenden?
Welche Erfahrungen haben Sie mit Kneipp-Kuren, Schröpfen etc. gemacht?
Konnte Ihnen mit Methoden der traditionellen chinesischen Medizin geholfen werden?
Stellen Sie zu Hause selbst Heilmittel aus Pflanzen her?

Reden Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Moderation und Sendungsgestaltung: Dr. Ronny Tekal
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Prof. Dr. Alexander Meng
Facharzt für Neurologie/Psychiatrie, Arzt für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur
Präsident -Stellvertreter des Dachverbandes österreichischer Ärztinnen und Ärzte für Ganzheitsmedizin
Frauenfelder Str.8
A-1170 Wien
Tel.: +43/1/486 12 77
E-Mail
Alexander Meng

Dr. Karl-Heinz Steinmetz
Medizinhistoriker
Leiter des Instituts für Traditionelle Europäische Medizin
Nußdorfer Str. 37/5
A-1090 Wien
Tel.:+43/699/1946 4227
E-Mail
Institut für Traditionelle Europäische Medizin

Dr. Petra Zizenbacher
Ärztin für Allgemeinmedizin
Naturheilärztin (Traditionelle Europäische Medizin), Ganzheitsmedizinerin
Mackgasse 6
A-1230 Wien
Tel.: +43/1/403 73 81
E-Mail
Petra Zizenbacher

TEM-Kongress 13.-14.10.; FH Campus Wien
Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED)
Institem - Institut für Traditionelle Europäische Medizin
Österreichische Gesellschaft für Medical Anthropology
Österreichische Gesellschaft für Akupunktur
Dachverband für TCM & verwandte Gesundheitslehren Österreichs
Akademie für traditionelle europäische Medizin

Martin Spinka, Siegfried Wintgen, "Traditionelle Europäische Medizin: Das große Praxisbuch der westlichen Heilkunst", Kneipp Verlag Wien 2015

Georg Weidlinger, "Die Heilung der Mitte: Die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin", Ennsthaler Verlag 2017

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