Gerhard Ruiss: "Funkhaus Anthologie"

Die Poesie des Radios

Ton und Raum will der Autor Gerhard Ruiss im steten Einklang wissen. Besonders schön offenbart sich diese Symbiose in den Ohren des Geschäftsführers der IG Autorinnen Autoren - im Wiener Funkhaus in der Argentinierstraße. Seit langem ist es Wunsch der ORF Geschäftsführung, das Funkhaus zu verkaufen und die Belegschaft zum Zweck der Synergie und Effizienzsteigerung ins TV-Zentrum auf dem Küniglberg zu übersiedeln. Gerhard Ruiss nimmt dazu eine deutliche Gegenposition ein. Um dies zu untermauern, und anlässlich des 50. Geburtstags des in der Argentinierstraße beheimateten Radiosenders Ö1, hat Ruiss soeben das Buch "Funkhaus Anthologie" veröffentlicht. Dieses versammelt Botschaften von 400 Autorinnen, darunter etwa auch die der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Die Funkhaus-Anthologie ist nicht nur als Geburtstagsgeschenk für Ö1 gedacht, sondern auch für Politiker, die in das Absiedelungs-Projekt eingebunden sind. Darüber hinaus ist das Werk eine hemmungslose Liebeserklärung von Gerhard Ruiss. Das Radio lebt nämlich nicht von Effizienzsteigerung und Synergieeffekten, so Ruiss, sondern von einer ganz anderen Besonderheit.
"Du meine Schöne" heißt eine CD von Gerhard Ruiss mit Nachdichtungen der Liebeslieder Oswald von Wolkensteins, dem von Ruiss hochverehrten Sänger, Dichter und Politiker des Spätmittelalters. Oswald von Wolkenstein vereinte einst Poesie und einen wachen Blick auf die politischen Umstände seiner Zeit zu einem ungewöhnlichen Lebenswerk. Auch Gerhard Ruiss strebt danach: Zeitgleich mit der Funkhaus-Anthologie hat er soeben auch einen Band mit dem Titel "Kanzlernachfolgegedichte 2006-2017" veröffentlicht, einem Folgeprojekt seiner 2005 erschienenen "Kanzlergedichte 2000-2005". Darin hat er das mediale und politische Geschehen der jüngsten Zeit in eine poetische Form gebracht.

Mit den Mitteln der Poesie lässt sich Politik enttarnen, ergründen und erklären, ist Autor Gerhard Ruiss überzeugt. Der Unterschied zwischen einem Vers und einem politischen Slogan, wie in Wahlkampfzeiten häufig zu hören, ist klar. Doch was hat das alles mit dem Rundfunk in der Argentinierstraße zu tun? Gerhard Ruiss spricht als Dichter und aufmerksamer Hörer von der "Poesie des Radios".- Gestaltung: Christa Eder

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