Das Denkmal des Reformators Martin Luther

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95 Thesen und die neue Sicht der Dinge

Reformation und Wissenschaft
Gestaltung: Martin Haidinger

Die berühmten 95 Thesen Martin Luthers, geschrieben im Jahr 1517, haben die mittelalterlich-christliche Welt verändert. Es ging um eine Erneuerung des Glaubens und des religiösen Lebens, aber in der Folge auch um eine neue Ausrichtung der Wissenschaft.

Von Wittenberg aus wurde eine grundlegende Universitätsreform eingeleitet. Bis dahin waren Wissenschaft und Universität praktisch rein katholische Angelegenheiten. Mit den lutherischen Universitäten in Deutschland veränderte sich auch die Wissenschaftslandschaft. Für viele Studenten galten die protestantischen Universitäten interessanter als die alten. Hier fand das statt, was viele im Nachhinein als "Aufklärung vor der Aufklärung" bezeichneten. Das führte zu einer enormen Krise etwa an der Wiener Universität.

Dort gab es immer weniger Studenten, und damit auch Einnahmen. Ein Studium an protestantischen Universitäten war Wiener Studenten zwar verboten, doch hielten sich viele einfach nicht daran. Die Anziehungskraft der von der Reformation geprägten Universitäten und deren Professoren war enorm, und das Aufbrechen eines mittelalterlich-kirchlich geprägten Wissenschaftsverständnisses vorgezeichnet - nicht nur in der Theologie.

Noch heute würden die Impulse der Reformation weiterwirken, sagt der evangelische Theologe Ulrich Körtner, nämlich dort, "wo aus einem reformatorischen Blickwinkel das Verhältnis von Glaube, Theologie und Wissenschaft beleuchtet wird. Nach reformatorischer Tradition ist Glauben der biblische Begriff für Gewissheit. Nun kann es ohne Gewissheit grundsätzlich keine Form von Wissen und auch keine Wissenschaft geben".

"Reformation und Wissenschaft" war ein Thema am XVI. Kongress für Theologie, der unter dem Titel "Christentum und Europa" im September in Wien stattgefunden hat.

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