Hände einer Mumie

AP/JAVIER GALEANO

Erhaltung und Zerstörung

Der Blick auf den Leichnam im Mittelalter. Mit Romedio Schmitz-Esser, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Graz.
Gestaltung: Isabelle Engels

Im Mittelalter begann man, Leichen zum Zwecke medizinischer und forensischer Untersuchung zu sezieren. Parallel dazu existierte jedoch die Vorstellung, dass die Verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft sind und auch selbst aktiv in den Alltag eingreifen können. Dieses Spannungsfeld zeigt sich im Umgang mit dem Leichnam: Einerseits praktizierte man die Kunst der Einbalsamierung, andererseits wurden Methoden zur Zerstörung der körperlichen Hülle angewendet. Während man versuchte, die Leichname der zur Elite gehörenden Menschen zu konservieren, wurden die Leichen von "bösen" Menschen wie Häretikern zur Strafe zerstückelt oder verbrannt.

Auch Bestattungsarten verraten einiges über das sich wandelnde Verhältnis zum Tod. Wurden die Toten früher noch in der Mitte der Siedlungen begraben, da man keine Angst vor ihnen hatte, werden die Gräber spätestens zur Zeit der Pest - aufgrund der Furcht vor Ansteckung - außerhalb der Stadt verlegt.

Mit konservatorischen Überlegungen, dann aber auch mit religiösen und sozialen Vorstellungen hat die Praxis der "Getrenntbestattung" zu tun. Leichenteile, insbesondere das Herz, wurden an einer anderer Stelle begraben als der übrige Leichnam. Dies kam vor allem bei hochgestellten Persönlichkeiten zur Anwendung, in Österreich lange Zeit hindurch bei den Habsburgern.

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