Forschungsfahrt in die Antarktis, Versorgungszelt

KRISTIN RICHTER

Schmelzendes Eis und steigende Meere

Die Ozeanographin Kristin Richter über die weltweiten Änderungen der Meeresspiegel.
Teil 2: Eisschilde als Wasserspeicher
Gestaltung: Lothar Bodingbauer

Wo trifft das Meer auf das Land? Diese Linie verändert sich durch kleinräumige Schwankungen im Meer, zum Beispiel durch Gezeiten. Normalerweise mitteln sich diese Schwankungen weg. Insgesamt sind aber im letzten Jahrhundert steigende Meeresspiegel zu beobachten: 15 cm sind die Meeresspiegel in den letzten 100 Jahren gestiegen. Die Ursachen liegen in steigenden Temperaturen. Wasser dehnt sich aus und braucht mehr Platz. Und höhere Temperaturen bedeuten schmelzendes Eis - zusätzliches Wasser.

Wenn Eis schmilzt, wird das gespeicherte Wasser frei. In der Auswirkung auf den Meeresspiegel tragen dazu jene Eismassen bei, die auf Gestein lagern. Schwimmendes Meereis hingegen - wie am Nordpol - hat den Meeresspiegel bereits erhöht. So gibt es einerseits schmelzende Gletscher, die zum Anstieg beitragen, andererseits Eispanzer auf Grönland und in der Antarktis.

In Summe ist es also der Temperaturhaushalt der Erde, der maßgeblich die Höhe der Meeresspiegel beeinflusst. Zwei Drittel der Änderungen sind menschgemacht - vor allem durch Treibhausgase wird die Erde erwärmt. Computermodelle zeigen die Auswirkungen, denn werden wir Menschen nicht einberechnet, stimmen die Vorhersagen in den Modellen nicht mit den tatsächlichen Beobachtungen überein.
Weitere beitragende Faktoren sind große Dämme, die Wasser zurückhalten können, aber auch die Entnahme von Grundwasser, was ursprünglich gespeichertes Wasser den Weltmeeren zuführt.

Die beobachteten Anstiege im Meeresspiegel können je nach Ort sehr unterschiedlich ausfallen. Winde, Erdbeben, Vulkanausbrüche und lokale Klimaphänomene wie El Niño überlagern die großen Trends. Ozeanograph/innen versuchen, die gemessenen Daten in ein großes Modell zu bringen, um den Anstieg der Meeresspiegel vorhersagen zu können. Dies ist eine wichtige Entscheidungsgrundlage für politisches Handeln auf lokaler und globaler Ebene.

Service

Kristin Richter, PhD
Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften, Universität Innsbruck

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