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Kleiner Markt gegen die Internet-Riesen

"Trump-Bump." So nennen die Amerikaner den Effekt, den der 45. US-Präsident mit seiner ewigen Medienschelte und Sprunghaftigkeit ausgelöst hat. Renommierte Blätter wie New York Times und Washington Post haben enormen Zulauf, viele Menschen zahlen in Zeiten wie diesen für guten Journalismus und dessen Watchdog-Funktion. Die Wende zu Schwarz-Blau hierzulande regt auch viele auf, gegen einen "Kurz-Bump" hätten die Zeitungen wohl nichts einzuwenden. Die stehen in einem beinharten Kampf mit Facebook und Google um Werbegelder und suchen nach Bezahlmodellen für ihre Inhalte im Netz.
Moderation und Gestaltung: Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Werbung bleibt unverzichtbar

Mehr Einnahmen durch Leser und Leserinnen, die Abos kaufen, als aus Werbung. Das ist eine erfreuliche Nachricht aus Großbritannien und den USA für die Printbranche, die schon seit Jahren unter gewaltigem Druck steht. Doch ein kleiner Markt wie Österreich tickt anders. Einige Zeitungen, wie "Die Kleine Zeitung" oder "Die Presse" experimentieren zwar ansatzweise erfolgreich mit Bezahlmodellen. Aber der Markt ist klein, Werbeeinnahmen bleiben lebenswichtig, sagen Brancheninsider. Regionale Tageszeitungen mit ihren großen Reichweiten in kleinen Räumen, aber auch Magazine mit klaren Zielgruppen haben es da leichter. Auch weil Österreich traditionell ein starkes Zeitungsland ist - mit Lesergewohnheiten, die sich nur langsam ändern.


Der Kampf um die Netflix-Generation

Für überregionale Blätter wie "Die Presse" und "Der Standard" ist es weit schwieriger. Die einen experimentieren mit Premium-Modellen, die anderen versuchen ihr Glück mit einem Online-Ableger in Deutschland - mit ungewissem Ausgang. Die Frage, der sich angesichts der im Netz herrschenden Gratismentalität alle stellen müssen, ist: Wie gewinnen wir die Jugend als Konsumenten unserer Produkte zurück? Einen Hoffnungsschimmer bieten hier Plattformen wie Netflix und der Online-Musikdienst Spotify, für die auch viele Junge gern bezahlen.


Zeitungen als Internet-Handelshäuser

Wenig Hoffnung besteht derzeit auf dem Werbemarkt. 4 Milliarden Euro wurden 2016 in Österreich für Werbung ausgegeben, knapp die Hälfte ging noch an die Zeitungen, ein Drittel an TV. Was Online verdient wird, kann man nur schätzen, weil Facebook und Google die Umsätze nicht bekanntgeben, um Steuern zu vermeiden. Branchenexperten zufolge, geht aber schon rund die Hälfte der Online-Werbeumsätze an die Internetgiganten. Tendenz steigend, Geld das Medienhäusern fehlt. Deshalb suchen Verlagshäuser neue Einnahmequellen, manche sind regelrechte Internet-Handelshäuser. Und das wirft wieder Fragen in Bezug auf den Journalismus auf.

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