Tulpen

AP/CERNY TOMAS

Tulpen, Gold und Immobilien

Die Geschichte der Spekulationsblasen. Mit Stephan Schulmeister, freier Wirtschaftswissenschafter und Universitätslektor.
Gestaltung: Hanna Ronzheimer

Der erste Finanzcrash Europas beginnt mit einer Tulpe. Im 16. Jahrhundert gelangte sie aus der Türkei nach Westeuropa, wurde in den Niederlanden weitergezüchtet und entwickelte sich dort zum absoluten Kultobjekt, für das astronomische Preise verlangt werden konnten. Am Höhepunkt dieses "Tulpenfiebers" kostete eine Tulpenzwiebel der Sorte "Semper Augustus" 10.000 Gulden - so viel wie ein stattliches Haus in Amsterdam.

Der steigende Tulpenzwiebelpreis verleitete zur Spekulation - es gab sogar Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile. Bis die Blase im Jahr 1637, vor genau 380 Jahren, platzte. Doch unser Gedächtnis für wirtschaftliche Katastrophen ist kurz, schreibt der 2006 verstorbene Ökonom John Galbraight: "Es gibt nur wenige Bereiche menschlichen Handelns, in denen Geschichte so wenig zählt wie in der Welt des Geldes".

Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich Spekulationsblasen fortsetzen bis in die Gegenwart. Im 18. Jahrhundert war es der Schotte John Law, der mit Goldspekulationen zuerst zum reichsten Mann der Welt wurde und dann ganz Frankreich in den Ruin trieb. Etwa zeitgleich versprach die South Sea Company, eine von englischen Kaufleuten gegründete Firma, ihren Aktionären sagenhafte Gewinne mit Geschäften in der Südsee. Der baldige Reichtum galt unter Anlegern, von denen niemand je in der Südsee gewesen war, als ausgemachte Sache. Bis auch die "Südsee-Blase" platzte. Von welthistorischer Größe war dann der Börsensturz am "Schwarzen Donnerstag", den 24. Oktober 1929, in Europa bekannt als der "Schwarze Freitag". Auch in der Gegenwart fehlt es nicht an Spekulationsblasen - man denke an die Dotcom-Blase im Jahr 2000 und, seit 2007, verschiedenste Immobilienblasen.

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