Rudolf Gelbard

APA/GEORG HOCHMUTH

Rudolf Gelbard. KZ-Überlebender und Zeitzeuge.

"Des woar a Köch!" Rudolf Gelbard. Eine jüdische Zeitgeschichte Österreichs 1945 - 1965. Feature von Maria Reininger

Es war ein langer Weg, bis der Tag der Befreiung gefeiert wurde. Am 8. Mai 2016 hielt Rudolf Gelbard aus diesem Anlass im Bundekanzleramt eine Rede, in der er gekonnt, einfach und klar die beschämenden Tatsachen schon in der Nacht vor dem Einmarsch Hitlers nach Österreich aufzählte. Die vorauseilende Bereitschaft der Österreicher, der fehlende Widerstand an den Grenzen, die offenbar minutiöse Planung und die Verhaftung von mehr als 50.000 Menschen in Wien aus ihren Wohnungen bereits in der Nacht vor dem großen Jubel am Heldenplatz, von dem später jahrzehntelang nur wenig gesprochen wurde.

Rudolf Gelbard erzählt professionell. Als Jugendlicher 1945 aus dem KZ Theresienstadt befreit, hat er eigens Rhetorik gelernt, um klarmachen zu können, was geschehen war, und was immer noch vor sich ging.

Rudolf Gelbard ist belesen: "Es gibt wenige, die soviele zeitgeschichtliche Bücher wie Du gekauft und auch gelesen haben, und es gibt wenige, die so viele Fakten und Daten über dieses Land im Kopf haben", hat der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer 1997 erklärt, bei der Verleihung des Professorentitels für den ehemaligen Buben aus dem 2. Bezirk in Wien, der nur eine Volksschulklasse besuchen durfte.
Regelmäßig ist Rudolf Gelbard noch Jahre und Jahrzehnte nach dem Krieg neuen Zusammenrottungen von Ariseuren und Neonazis entgegengetreten. Mit unterschiedlichem Erfolg. Wenn er davon erzählt, wird die noch immer wenig beleuchtete jüdische Perspektive der österreichischen Nachkriegsgeschichte deutlich.
Und regelmäßig konnte er die Veröffentlichung verfälschender Geschichtsschreibung verhindern - einen Vortrag des Historikers David Irving im Parkhotel Hietzing zum Beispiel.

Redaktion: Elisabeth Stratka
Ton: Robert Pavlecka

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