Zwei Köpfe einer Statue

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Radiokolleg - Wir sind nicht mehr die, die wir einmal waren

Physische und psychische Transformationen (1). Gestaltung: Madeleine Amberger

Maturatreffen nach vielen Jahren können es in sich haben. Vielleicht erkennt man die engsten Freunde aus der Schulzeit gerade noch, aber andere muten wie Fremde an. Und das nicht nur deshalb, weil sich Haarfarbe und Figur veränderten. Ihr Verhalten ist anders: Der eine ist nun vielleicht weniger aufbrausend als er es früher war; eine bekannt schüchterne Schülerin deponiert 20 Jahre später klar und deutlich, wenn ihr etwas nicht passt. Psychologen stellen in Langzeitstudien zunehmend fest, dass das jüngere Ich sich vom ältern drastisch unterscheidet. Diese Beobachtung trifft selbst auf Menschen zu, denen herbe Enttäuschungen und Traumen erspart bleiben. Denn mit zunehmendem Alter werden Menschen mehrheitlich vergebungsvoller und umgänglicher.

Auch die Biologie bestimmt unsere Persönlichkeit zu einem großen Teil. Etwa 50 Prozent unserer Eigenschaften gelten als genetisch bedingt. Freilich lassen sich Charakterzüge wie Schüchternheit oder Abenteuerlust nicht an einem einzigen Gen festmachen. Unser Verhalten und unsere Emotionen unterliegen einem komplexen Cocktail von körpereigenen Botenstoffen. Forscher/innen untersuchen dabei nicht nur die Signale im menschlichen Gehirn, sondern auch jene im Darm. Denn auch dieses Organ - häufig das "zweite Gehirn" genannt - enthält Nervenzellen und produziert Neurotransmitter. Zudem zeigte sich zumindest im Tierversuch, dass die Mirkoorganismen im Darm (Mikrobiom) Stimmungen und Verhalten beeinflussen. Labormäuse ohne Mikrobiom verhalten sich dermaßen draufgängerisch, dass jede Katze ein leichtes Spiel hätte.

Doch Biologie ist nicht Schicksal. - Eine wahrlich frohe Botschaft, denn die meisten Menschen sind mit ihrer Persönlichkeit ebenso unzufrieden wie mit ihrem Äußeren. Viele wünschten sie wären extrovertierter, geselliger, genauer, ordentlicher, gelassener. Laut US-Studien wollen gar neun von zehn Menschen sich in ihrer Persönlichkeit verändern. Der Jahresbeginn bietet für viele einen willkommener Anlass, sich ab nun zum Besseren zu verändern. Doch wie ist dies zu bewerkstelligen, damit man nicht schon Ende Jänner scheitert? Die Chancen auf Veränderung stehen gut, so US-Forscher/innen, wenn man sich der Methode der kleinen, steten und möglichst präzisen Schritte verschreibt.

Service

BÜCHER:

Brian Little: Who Are Your, Really? The Surprising Puzzle of Personality (TED Books). Simon & Schuster 2017.

Brian Little: Mein Ich, die anderen und wir: Die Psychologie der Persönlichkeit und die Kunst des Wohlbefindens. Springer 2015

Gerhard Roth: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern. Klett-Cotta 2007/2015.

Gerhard Roth, Nicole Strüber: Wie das Gehirn die Seele macht. KIett-Cotta 2017.

Christine Wallner: Mama Alama: Die weiße Heilerin. Ich habe mein Leben in Afrika gefunden. Orell Füssli 2014.

Topsy Küppers: Mein Ungustl. Ein widerlicher Gast. Langen-Müller 2014.

Heide-Marie Smolka, Katharina Turecek: Zum Glück mit Hirn. Ein verlockendes Angebot für Glücksskeptiker. Springer 2018.

Heide-Marie Smolka: Vorhang auf fürs Glück. Drehbuch für mehr Lebensfreude.
Knaur 2013

Sendereihe