Hand einer Statue

AFP/GABRIEL BOUYS

Über die Würde des Menschen

Philosophien des Humanismus in der Renaissance, Teil 1.
Gestaltung: Nikolaus Halmer

Die humanistischen Philosophien der Renaissance zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert wurden vielfach als Epochenbruch zum "dunklen Mittelalter" angesehen. Im Mittelpunkt standen nicht mehr metaphysische Spekulationen, die auf Gott und das Jenseits ausgerichtet waren, sondern der Mensch, der sein Leben entwirft und dafür verantwortlich ist.

Die Renaissance-Humanisten erhofften sich eine optimale Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten durch die Verbindung von Wissen und Tugend. Humanistische Bildung sollte den Menschen befähigen, seine wahre Bestimmung zu erkennen und durch die Nachahmung klassischer Vorbilder ein ideales Menschentum zu verwirklichen. Davon zeugen Texte zur Ethik, Pädagogik, Anthropologie und zum Staatswesen, die von unterschiedlichen Autoren stammen: von den italienischen Frühhumanisten Francesco Petrarca und Leon Battista Alberti; von den Florentiner Neuplatonikern Marsilio Ficino und Pico della Mirandola.

Das zentrale Dokument der humanistischen Philosophie ist der Traktat von Pico della Mirandola "Über die Würde des Menschen", in dem das menschliche Subjekt die Position zwischen Göttlichem und Tierischem einnimmt - "als freier und würdiger Schöpfer und Bildner seiner selbst".
Trotz der Subjektzentrierung sind die humanistischen Philosophien keineswegs als einheitliches Gebilde anzusehen.

Vielmehr präsentieren sie sich als ein Patchwork von unterschiedlichen philosophischen Positionen, die sich auch auf Denker des "dunklen Mittelalters" wie Roger Bacon oder Wilhelm von Ockham berufen. Der Philosoph Thomas Leinkauf und der Historiker Bernd Roeck, die ausführlich in der Sendung zu Wort kommen, beleuchten in ihren kürzlich publizierten umfangreichen Studien das vielfältige Spektrum die Epoche - "vom Frühling bis zum Herbst der Renaissance".

Service

Literaturhinweise:
Gesamtdarstellungen
Thomas Leinkauf: Grundriss Philosophie des Humanismus und der Renaissance (1350-1600), 2 Bände, Felix Meiner Verlag
Bernd Roeck: Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance; C. H. Beck Verlag
Eckhard Kessler: Die Philosophie der Renaissance. Das 15. Jahrhundert, C.H. Beck Verlag

Einzelne Philosophen:
Dante Alighieri: Philosophische Werke in einem Band, herausgegeben von Ruedi Imbach, Felix Meiner Verlag
Karlheinz Stierle: Dante Alighieri. Dichter im Exil, Dichter der Welt, C.H. Beck Verlag
Kurt Flasch: Einladung, Dante zu lesen, S. Fischer Verlag
Francesco Petrarca: Das einsame Leben, Klett-Cotta Verlag
Francesco Petrarca: Die Besteigung des Mont Ventoux, Reclam Verlag
Karlheinz Stierle: Francesco Petrarca: Ein Intellektueller im Europa des 14.
Jahrhunderts, Carl Hanser Verlag
Marsilio Ficino: Über die Liebe oder Platons Gastmahl, Felix Meiner Verlag
Giovanni Pico della Mirandola: Über die Würde des Menschen Felix Meiner Verlag
Giovanni Pico della Mirandola: Neunhundert Thesen, Herausgegeben von Nikolaus Egel, Felix Meiner Verlag
Nicolaus Cusanus: Die Jagd nach Weisheit, Felix Meiner Verlag
Kurt Flasch: Nicolaus Cusanus, C. H. Beck Verlag

Sendereihe

Gestaltung

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