Mann in einem Schneesturm

AP/Matt Rourke

Im Anfang war der Schneesturm

Das doppelte Exil des russischen Schriftstellers Gaito Gasdanow. Feature von Franziska Dorau

Als der Hanser Verlag 2012 die Übersetzung von Gaito Gasdanows Roman "Das Phantom des Alexander Wolf" herausbringt, ist das Werk des vier Jahrzehnte zuvor verstorbenen Exilrussen keineswegs "bestseller-verdächtig", erinnert sich die Übersetzerin Rosemarie Tietze. Umso verblüffender ist die Rezeption des Romans, der in den Feuilletons der großen deutschen Zeitungen als "Meisterwerk der klassischen Moderne" und "verlorenes Stück Weltliteratur" gefeiert wird.

In Russland gilt Gaito Gasdanow zu diesem Zeitpunkt schon lange als einer der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Lebzeiten jedoch durfte in seiner Heimat keine Zeile seines Werks veröffentlicht werden, da er mit 16 Jahren, im russischen Bürgerkrieg, freiwillig auf Seiten der Weißen Armee gekämpft hatte. Sein Erwachsenenleben verbrachte Gasdanow zunächst im Pariser, dann im Münchener Exil. Er schrieb neun Romane und zahlreiche Erzählungen, während er als Lastenträger, "Lokomotivenwäscher", Nachttaxifahrer und schließlich Redakteur von "Radio Liberty" arbeitete.

In der Zentrale des US-finanzierten Radiosenders, der prowestliches Programm auf sowjetischem Territorium ausstrahlte, lernte er Marthe-Hélène Robert kennen, die ihn als Freundin und Kollegin bis zu seinem Tod begleiten sollte. Noch heute bewundert sie seinen "sprudelnden Geist" und seine tiefe Menschlichkeit. Gasdanow selbst sah sich - so legt es sein autobiografischer Roman "Ein Abend bei Claire" nahe - als "vielgestaltiges" und "nicht immer fest umrissenes Phantom". Am meisten, schreibt er, liebte er jene "beweglichen Räume aus weißem Rauch und Wind", die entstehen, wenn der Schneesturm tobt.

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