Hand einer Statue

AFP/GABRIEL BOUYS

Philosophien des Humanismus in der Renaissance

Das Chamäleon, das alles wissen kann oder ängstliche Maus?
Gestaltung: Nikolaus Halmer

Die Jahrhunderte der Renaissance und des Humanismus zwischen 1400 und 1600 wirkten bahnbrechend. Die außereuropäische Welt wurde durch wagemutige Schiffsexpeditionen entdeckt; die Planeten durch das Fernrohr und der Buchdruck ermöglichte eine mediale Revolution. Die Universalwissenschaft des Mittelalters löste sich in Einzelwissenschaften wie Anthropologie, Psychologie, Philologie, Geschichte und Kunsttheorie auf; auch in Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Mechanik.

Der Philosoph Pico della Mirandola verglich den Menschen mit einem Chamäleon, der die Fähigkeit hat, alles wissen zu können und mit einer unbegrenzte Forschungs- und Erfindungskraft ausgestattet ist. Diese Überzeugung, dass alles machbar ist, zeigte sich auch in der Wirtschaft, in der sich neue Kapital- und Handelsformen ausbildeten und eine Dynastie von vermögenden Unternehmern ermöglichten.

Es existiert jedoch auch eine andere Renaissance, eine dunkle Epoche, die von der Pest, von brutal geführten Religionskriegen, von Aberglauben und von korrupten weltlichen Herrschern und religiösen Würdenträgern geprägt wurde. Man könnte sie - den französischen Philosophen Michel Foucault variierend - "eine blutige Renaissance" nennen.

Diese dunkle Seite hinterließ bei zahlreichen Menschen ein Gefühl der Ohnmacht; man fühlte sich der "Fortuna" - dem Schicksal - hilflos ausgeliefert. Im Gegensatz zur Hybris des Homo faber trat das Bewusstsein, dass der Mensch ein Mängelwesen sei, ein "winziges Meeresschalentier" - so Giordano Bruno - oder "eine Maus auf der Oberfläche eines Schiffes".

Diese Licht- und Nachtseiten der Renaissance standen im Zentrum der Reflexionen von humanistischen Philosophen; sie reichen von Boccaccio über Erasmus von Rotterdam bis zu Michel de Montaigne, die im 2. Teil des Salzburger Nachtstudios über Humanismus in der Renaissance vorgestellt werden.

Service

Literaturhinweise:

Gesamtdarstellungen
Thomas Leinkauf: Grundriss Philosophie des Humanismus und der Renaissance (1350-1600), 2 Bände, Felix Meiner Verlag
Bernd Roeck: Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance; C. H. Beck Verlag
Eckhard Kessler: Die Philosophie der Renaissance. Das 15. Jahrhundert, C.H. Beck Verlag
Leon Battista Alberti: Momus oder vom Fürsten, herausgegeben von Michaela Boenke, Fink Verlag
Giovanno Boccaccio: Das Decameron, Reclam Verlag
Erasmus von Rotterdam: Das Lob der Torheit, Reclam Verlag
Sebastian Brant: Das Narrenschiff, Reclam Verlag
Giordano Bruno: Von den heroischen Leidenschaften, Felix Meiner Verlag
Michel de Montaigne: Essais, Reclam Verlag
Nikolaus Egel: Montaigne - Bilder einer fließenden Welt. Zur Lebenswelt und den Essais Michel de Montaignes, Königshausen&Neumann Verlag
Karlheinz Stierle: Montaigne und die Moralisten, Wilhelm Fink Verlag

Sendereihe

Gestaltung

Mehr dazu in oe1.orf.at

Über die Würde des Menschen

MI | 03 Jänner 2018