Von Reflux bis Reizmagen

Häufige Erkrankungen von Magen und Speiseröhre


Das Bakterium Helicobacter pylori spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Entzündungen des Magens. In der Speiseröhre entstehen Entzündungen häufig durch Reflux.

"Ich hab da so ein Völlegefühl ..."

Praktisch jede/r kennt das: Nach einem feudalen mehrgängigen Mahl, vielleicht begleitet von ein paar Gläsern guten Weines, meldet sich der Verdauungstrakt mit Völlegefühl, Blähungen, Sodbrennen, eventuell sogar mit Oberbauchschmerzen und Übelkeit. Nicht immer sind diese Beschwerden "harmlos".

Sichere Diagnose durch Gastroskopie

Treten diese Symptome häufiger auf und halten über zumindest drei Wochen an, ist ein Besuch bei der Hausärztin/dem Hausarzt angeraten. Diese(r) kann zwar gleich einen Magensäure-Hemmer (sog. Protonenpumpeninhibitor) verordnen. In der Regel erfolgt zuerst eine Überweisung zum Gastroenterologen oder Chirurgen, um eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchzuführen. Nur diese ermöglicht eine sichere Diagnose.

Ungebetener Gast

Die Gastroskopie wird häufig bereits "sanft" - also unter kurzer Sedierung - durchgeführt. Dabei werden Biopsien entnommen und untersucht. Bei 70 Prozent der Patienten mit einem Magengeschwür und häufig auch bei Gastritis findet sich der Keim Helicobacter pylori. Oft ist der Zwölffingerdarm ebenfalls betroffen. Das Bakterium kann jedoch auch viele Jahre im Magen-Darm-Trakt hausen, ohne Beschwerden zu verursachen.

Entzündungen der Magenschleimhaut

Die Gastritis und das Magengeschwür (Ulcus) gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Magens. Medikamente (die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika) oder das Übergreifen anderer Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn) auf den Magen sind mögliche Ursachen. Stress ist ein weiterer Faktor.

Eliminieren und kontrollieren

Für die medikamentöse Therapie von Gastritis, Ulcus und Entzündungen der Speiseröhre steht eine ganze Reihe von Magensäure-Hemmern zur Verfügung. Ist das Bakterium Helicobacter pylori für die Entzündungen verantwortlich, kann dieses relativ einfach durch eine sogenannte Eradikations-Therapie mit einer Antibiotikakombination eliminiert werden.
Durch die effektive Behandlung von Gastritis und Magengeschwür ist die Zahl von Krebserkrankungen des Magens erfreulicher Weise stark rückläufig. Denn nach wie vor eine Früherkennung kaum möglich.

Der Reizmagen

Dieses Beschwerdebild kann sich durch folgende Symptome äußern: unklare Schmerzen im Oberbauch, Druck- und Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blähungen und Stuhlprobleme, Sodbrennen und Kreislaufprobleme.
Trotz dieser Vielzahl von teilweise sehr intensiv ausgeprägten Beschwerden gibt es keine auffindbaren Ursachen oder auffälligen Befunde. Die Behandlung wird auf die Person zugeschnitten. Psychologische Unterstützung und Entspannungsverfahren sind auf jeden Fall empfehlenswert.

Das Sodbrennen

Bei mindestens 20 Prozent der Bevölkerung kommt es fallweise oder häufig zum Rückfluss vom Magensaft in die Speiseröhre. Experten sprechen auch von der sogenannten gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD). Häufige Ursache dafür ist ein Zwerchfellbruch, der den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen beeinträchtigt. Die Betroffenen spüren ein Brennen zumeist im oberen Teil der Speiseröhre. Es kommt zum Aufstoßen und dem sauren Geschmack im Mund.
Der Reflux kann zudem - häufig nachts - zu Hustenreiz und asthmaartigen Symptomen führen.
Folgen können eine Schleimhautentzündung in der Speiseröhre und in weiterer Folge Umbauvorgänge sein - es kommt zur sogenannten Barrett-Schleimhaut.

Das Barrett-Syndrom

Die Schleimhaut der Speiseröhre besteht normaler Weise aus einem mehrschichtigen sehr belastungsfähigen Plattenepithel. Durch andauernde Entzündungen aufgrund des Refluxes kann es zur Bildung eines sogenannten Zylinderepithels kommen. Aus diesem kann sich in einem geringen Prozentsatz der Fälle Krebs entwickeln.
Daher sollte bei Personen mit einer Barrett-Schleimhaut individuell angepasst regelmäßig endoskopische Kontrollen durchgeführt werden.
Eine Operation bei Reflux oder Barrett-Schleimhaut ist nur dann anzuraten, wenn die Betroffenen unter heftigen Beschwerden trotz medikamentöser Therapie und unter starker Einschränkung der Lebensqualität leiden.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung; Dr.in Michaela Steiner
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Fragen:
Haben Sie häufig Sodbrennen und was tun Sie dagegen?
Helfen Ihnen Basensuppen, ein Glas lauwarmes Wasser etc.?
Wurde bei Ihnen bereits eine Magenspiegelung vorgenommen?
Müssen Sie ständig entzündungshemmende Medikamente einnehmen?
Haben Sie Gastritis oder ein Magengeschwür?
Wurde bei Ihnen eine Eradikationstherapie gegen den Keim Helicobacter pylori durchgeführt? Haben Sie die Antibiotika gut vertragen?

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Service

Univ.-Prof. Dr. Johannes Zacherl
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Magenschmerzen (Netdoktor):
Häufige Erkrankungen von Magen und Darm (Internisten im Netz):
Magen-Darm-Ratgeber: Überblick über verschiedene Magenkrankheiten
Speiseröhre und Magen (Uniklinik RWTH Aachen):
Bauchweh - ab wann Magenschmerzen gefährlich sind (Berliner Zeitung):
Magenkrebs (Deutsches Krebsforschungszentrum/Krebsinformationsdienst):
Magenkrebs: Ursachen und Risikofaktoren (ApothekenUmschau):
Reflux und Sodbrennen (Gesundheit.gv.at):
Sodbrennen (ApothekenUmschau):
Refluxkrankheit (Netdoktor):

Heide Steigenberger, "Reizmagen: Richtiger Umgang mit Gastritis, Sodbrennen, Magendrücken und Verdauungsstörungen", Kneipp Verlag 2014

Elisabeth Lange, "Sodbrennen", Kopp Verlag 2016

Martin Riegler, Petra Fuss, Karin Hönig-Robier, "Wenn Stress sauer aufstößt: Der Weg zu einer gesunden Speiseröhre", Facultas/Maudrich 2018

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