Radiokolleg - Tier nach Maß

Über die Grenzen der Zucht (2). Gestaltung: Ilse Huber

Tiere können vieles viel besser als der Mensch: riechen, sehen, hören, sich vor Kälte schützen und arbeitsteilige Gemeinschaften bilden. Dass sie auch noch zur menschlichen Ernährung beitragen, hat vor allem bei Rind, Huhn und Schwein zu vielen Zuchtformen geführt. Dabei hat sich der Fokus, welche tierische Eigenschaften für den Menschen besonders wünschenswert sind, im Laufe der Geschichte immer wieder verändert.

Alles begann mit der Sesshaftwerdung: Da wurden die Tiere zu Mitbewohnern. Sie lieferten frei Haus Wolle, Fleisch, Milch und Wärme. Einmal mehr und einmal weniger- wenn nicht Kälte, Dürre, Schädlinge und Krankheiten die Lebensgemeinschaft zunichte machten.

Ab dem Mittelalter wollte man das Überlebensglück nicht dem Zufall überlassen und begann für eine bessere Wollqualität zum Beispiel Schafe zu kreuzen. Richtig strukturiert los ging die Merkmalsauswahl erst im 19. Jahrhundert, als der Priester Gregor Mendel systematische Erberfolge bei den Erbsen erzielte.

Tiere gleichen oft die Mängel des Menschen aus: sie befriedigen die unerfüllten Wünsche der eigenen Existenz. Sei es Kraft, Obacht, Emsigkeit oder Anpassungsfähigkeit. Durch Selektion bestimmter (modeabhängiger) Eigenschaften erreicht die Tierzucht immer neue Formen. Vom reinen Nutzen des Tieres, das eigene Überleben zu sichern, kennt die genetische Kompositionskraft des Menschen bald keine Grenzen mehr: Nacktkatzen, Hunde mit zerknautschten Nasen, blinde Pferde - die Liste lässt sich unendlich verlängern.

Nicht zuletzt rückt die Gentechnik den Tieren zu Leibe: der Lachs mit modifizierten Genen für mehr Muskelmasse sei nur ein Beispiel. Aber es geht auch umgekehrt: Regional ausgestorbene Tierarten wie das europäische Bison, das Wisent, sollen wieder Teil der Landschaft werden. Schöne neue Tierwelt? Eine Radiokolleg-Serie von Ilse Huber zur Frage: Tier nach Maß? Über die Grenzen der Zucht.

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