Selber schuld...!

Sollen Personen mit Risikoverhalten die Therapiekosten selbst berappen?

Hat ein Alkoholiker Anrecht auf eine neue Leber? Warum muss die Allgemeinheit stark übergewichtigen Menschen eine Magenverkleinerung bezahlen? Sollen Raucher zur teuren Therapie ihres Lungenkrebses etwas beisteuern? Die Frage, ob Menschen, die quasi "selbstverschuldet" ihre Gesundheit schädigen, auch einen höheren Beitrag zum Gesundheitssystem zu leisten haben, beschäftigt nicht nur die Stammtische. Auch in der Gesundheitspolitik wird die Mitverantwortung diskutiert. Wenn man diese Personengruppe schon nicht bestrafen möchte, sollen zumindest die "Braven" mit finanziellen Anreizen belohnt werden. Zurzeit müssen etwa Versicherte der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) Selbstbehalte bezahlen, die jedoch durch (ärztlich bestätigte) Verbesserungen des Lebensstils um die Hälfte reduziert werden können.
Eine Analyse der Wiener Gebietskrankenkasse ergab hingegen, dass Selbstbehalte aufgrund der relativ hohen Anzahl an Versicherten mit niedrigen Einkommen kontraproduktiv sind. Sie hätten generell eine abschreckende Wirkung und würden eine Hürde zur Inanspruchnahme medizinischer Leistungen bedeuten. Schließlich birgt Armut als solche bereits ein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Am anderen Ende des Spektrums: Menschen mit entsprechendem Einkommen können einen ungesunden Lebensstil oft kompensieren. Unabhängig vom jeweiligen Standpunkt - es besteht Handlungsbedarf. Immerhin erklärte die WHO im Jahr 2015, dass rund 16 Millionen Menschen jährlich vorzeitig an den Folgen von Alkoholgenuss, Tabakkonsum oder falscher Ernährung sterben.
Ronny Tekal diskutiert mit seinen Gästen, ob Bonus-Malus-Systeme oder Selbstbehalte der Gesundheit der österreichischen Bevölkerung dienlich sind und wie man Menschen zu einem besseren Gesundheitsbewusstsein verhelfen kann.

Sendungsvorbereitung: Dr. Ronny Tekal
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Elisabeth Jäger, Adipositas Selbsthilfegruppe
Univ.-Prof. Dr. Klaus Klaushofer, Facharzt für Innere Medizin, Hanusch-Krankenhaus Wien, beratender Arzt des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Schoberberger, Gesundheitspsychologe, Klinischer Psychologe, Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien

Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger
SVA - Selbständig gesund - halber Selbstbehalt
Österreichische Gesellschaft für Public Health
Gesundheitspsychologie - Berufsverband Österreichischer PsychologInnen BÖP
London School of Economics - Effizienzanalyse der Österreichischen Sozialversicherungen
Armut macht krank - Ungleich bis in den Tod (Forum Gesundheit)
Streit um Krankenkassen-Bonus für Gesunde (ORF Salzburg 2016)
Mehrheit lehnt Selbstbehalte bei ungesunder Lebensweise ab (Profil 2015)
Soziale Kosten von Lust und Sucht (Meduni Wien, Kreutzer Fischer und Partner 2013)
Vorbeugend leben - gesund sterben - Manfred Lutz zum Gesundheitswahn (Stuttgarter Zeitung 2017)
Gesundheit als Pflicht - Krankheit als Schuld? (Giovanni Maio, Klinikarzt 2014)

Giovanni Maio, "Medizin ohne Maß?: Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit", Trias Verlag 2014

Bettina Schmidt, "Eigenverantwortung haben immer die Anderen. Der Verantwortungsdiskurs im Gesundheitswesen", Huber, Bern 2007

Barbara Prainsack, Alena Buyx, "Das Solidaritätsprinzip: Ein Plädoyer für eine Renaissance in Medizin und Bioethik", Campus Verlag 2016

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