Soundpolitisierung mit Alec Empire

Alec Empire im Zeit-Ton Porträt. Gestaltung: Heinrich Deisl

Seit den frühen 1990er Jahren zählt Alec Empire zu den Fixgrößen elektronischer Musik. Sein Werk reicht vom Hardcore-Techno über Elektroakustik bis zum Rock und Dekonstruktionen von Free Jazz. Außerdem setzt sich Empire seit Langem mit den gesellschaftlichen, sozialen und politischen Folgen der Digitalisierung auseinander.

1992 begründete er in Berlin die Band Atari Teenage Riot, die mit ihrer Mischung aus Breakbeat, HipHop und Industrial-Noise zu einer der erfolgreichsten Gruppen experimenteller Techno-Elektronik wurde. In seinen Soloprojekten brachte Empire damals einige Alben auf dem Label Mille Plateaux heraus, für die er Arbeitsweisen der Musique Concrète nutzte. Er arbeitete u. a. mit Christoph Schlingensief, Beastie Boys und Merzbow, tourte mit Nine Inch Nails oder Wu-Tang Clan und remixte Stücke von Björk, Coil oder Mark Stewart.

In den vergangenen Jahren hat er sich besonders auf Filmvertonungen verlegt; so etwa für "My Talk with Florence" (2015) von Paul Poet oder 2017 für "Volt" von Tarek Ehlail. Seine Diskografie listet mehr als 100 Veröffentlichungen, die zum größten Teil auf seinen Labels Digital Hardcore Recordings und Eat Your Heart Out erschienen sind. 2016 wurde er zusammen mit Brian Eno vom Festival Soundedit mit dem "Man with the Golden Ear Award" ausgezeichnet.

Kreative Selbstermächtigungen
Das Konzept von Atari Teenage Riot (ATR) geht auf die Klangmontagen von William S. Burroughs zurück und sie waren neben den Einstürzenden Neubauten eine der wohl wichtigsten Bands, die Berlin hervorgebracht hat. Schon bei ATR waren Themen rund um Cyberpunk stets präsent. Diese wurden in den vergangenen Jahren um Aspekte der Überwachung, des Urheberrechts und neuer Möglichkeiten kreativer Selbstermächtigung in Zeiten digitaler Monopolisierungstendenzen erweitert.

Empire war 2014 Keynote Speaker beim 31. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Hamburg. Er hat sich vielfach in Diskussionen um Wikileaks, die Whistleblower-Affäre oder die Occupy-Bewegung eingebracht und engagierte sich für Greenpeace. Musik und Kunst hätten immer auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag, so Empire im Zeit-Ton Interview.

Dieses Zeit-Ton Porträt gibt einen Überblick über das vielfältige Schaffen von Alec Empire und fokussiert auf seine elektroakustischen und Soundtrack-Arbeiten. Im Interview erzählt Empire über "My Talk with Florence" und "Volt", seine künstlerischen Ambitionen und die Berliner Underground-Musikszenen seit den 1990er Jahren.

Service

Hompage Alec Empire

Playlist

Titel: Zeit-Ton
Länge: 56:43 min

Sendereihe

Gestaltung