Kronprinz Rudolf als Kind in Uniform

APA/OESTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK

Eine Hoffnung wird begraben

Kronprinz Rudolfs Leben und Sterben. Mit Rudolf R. Novak, ehemaliger Kulturattaché, Autor und Kronprinz-Rudolf-Experte.
Gestaltung: Isabelle Engels

In der Nacht vom 29. auf den 30. Jänner 1889 starb Kronprinz Rudolf, Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, in seinem Jagdschloss in Mayerling. Er hatte seine Geliebte Mary Vetsera und danach sich selbst erschossen. Für das Kaiserhaus bedeutete dies eine unsagbare Schande, weshalb Geheimhaltung über die genauen Umstände seines Todes verordnet wurde. Dies begünstigte die Entstehung von Gerüchten und Mythen, die bis in die Gegenwart wirken. Die Konzentration auf das Ende des Kronprinzen als Selbstmörder und Mörder bestimmte fortan die Sichtweise auf Rudolf und führte zu einem einseitigen und verzerrten Bild seiner Persönlichkeit.

Am Ende seines Lebens, mit erst 31 Jahren, war Rudolf zwar ein durch Gonorrhöe körperlich geschwächter und psychisch schwer angeschlagener Mensch - doch Berichte über den Prinzen aus früheren Jahren zeichnen das Bild eines sensiblen, lebensfrohen und wissensdurstigen jungen Mannes. Doch eine wissenschaftliche Karriere blieb dem ausgewiesenen Fachmann für Ornithologie als nicht standesgemäß verwehrt, der Vater hatte von Anfang an eine militärische Laufbahn für seinen Sohn vorgesehen. Der den liberalen Idealen verbundene Kronprinz von Österreich-Ungarn galt vielen Zeitgenossen als Hoffnungsträger, er wurde von seinem hochadeligen und konservativ-klerikalen Umfeld jedoch rasch in die Schranken gewiesen. Der Widerspruch zwischen persönlicher Opposition zu politischen Entscheidungen des Vaters bei gleichzeitiger Verpflichtung zu Loyalität sowie die Unmöglichkeit, für seine liberalen Ideen eine namhafte politische Gefolgschaft zu finden, führten zu schweren inneren Konflikten und letztlich dem Gefühl einer Perspektivlosigkeit. Mit dem Tod Rudolfs haben sich zahlreiche Historiker befasst - gibt es dazu überhaupt noch Aspekte, die bisher unberücksichtigt blieben? Es gibt sie: etwa die Frage, warum Rudolf ausgerechnet Mayerling als Jagdsitz wählte und warum die "Mayerlingfama" in Baden ihren Ausgang nahm.

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