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APA/GEORG HOCHMUTH

Franz Josef Weißenböck über Fasching und Fasten

"Kontraste". Franz Josef Weißenböck, katholischer Theologe, Supervisor und Coach über Kontraste wie zwischen Fasching und Fastenzeit, Licht und Dunkelheit bis zu Leben und Tod. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Diese Woche ist ein Woche der Kontraste: Heute und morgen der Höhepunkt des Faschings, am Mittwoch - für Christinnen und Christen - der Beginn der Fastenzeit.

Schon der heutige Rosenmontag war in vergangenen Zeiten ein Tag der extremen Gegensätze. Der Tag hatte eher mit rasen im Sinn von tollen zu tun, nicht mit Rosen. Es war ein Tag der umgestürzten Verhältnisse. Im Mittelalter wurde in einigen Gegenden Europas das "Fest der Narren" begangen. Dieser Tag war ein Tag der verkehrten Hierarchien, der umgestürzten Herrschaft. Nicht der Adel, einschließlich der Bischöfe, regierte an diesem Tag, sondern die Narren. Unsere Faschingsprinzen und -prinzessinnen sind davon nur noch ein schwacher Abklatsch, nicht mehr als Folklore und Tourismusattraktion.

Den Mächtigen waren diese Tage des Kontrasts stets ein Dorn im Auge. Im Jahr 1431 verdammte das Konzil von Basel das Fest der Narren. Dennoch überlebte es bis ins 16. Jahrhundert. Die Ohnmächtigen, vertreten durch die Narren, wollten auf den einen Tag im Jahr nicht verzichten, an dem sie wenigstens den Anschein von Macht hatten.

Es ist durchaus vorstellbar, dass diese zur Anarchie neigenden Feste eine religiöse Wurzel haben. Die altrömischen Lupercalien, die auch in Shakespeares Drama Julius Cäsar vorkommen, versetzten das Volk in die mythische und wilde Zeit vor der Gründung Roms. Das Fest, das am 15. Februar gefeiert wurde, begann mit dem Opfer eines Bocks - und Opfer sind ein Urakt der Religion. Als das Imperium christlich geworden war, hat das Lupercalienfest von allen heidnischen Ritualen am längsten überlebt - allen Verboten zum Trotz.

Von der alten Wildheit und Anarchie ist in unseren Tagen am Rosenmontag kaum etwas zu spüren. Die Zeit flacht alle Erfahrungen ab, hat der im Vorjahr verstorbene Religionssoziologe Peter Berger festgestellt. Aber was wäre das für ein Leben, in dem alles abgeflacht, gleich gemacht, eingeebnet wird! Kontraste beleben, Kontraste machen Unterschiede spürbar. Die Anarchie des Fests der Narren und der Rosenmontag können bewusst machen, wie flach und eintönig ein bis ins letzte Detail geregeltes Leben wird.

Service

Franz Josef Weißenböck, "Credo. Mutmaßungen über das Apostolische Glaubensbekenntnis", Edition Va bene

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Playlist

Komponist/Komponistin: Johann Pachelbel/1653 - 1706
Album: BEST OF BAROQUE
* Gigue (00:01:20)
Titel: Kanon und Gigue in D-Dur für 3 Violinen und B.c.
Orchester: The English Concert
Ausführender/Ausführende: Simon Standage /Violine
Ausführender/Ausführende: Micaela Comberti /Violine
Ausführender/Ausführende: Elizabeth Wilcock /Violine
Ausführender/Ausführende: Anthony Pleeth /Violoncello
Ausführender/Ausführende: Trevor Pinnock /Cembalo
Leitung: Trevor Pinnock
Länge: 02:00 min
Label: DG 4194102

Sendereihe

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