Radiogeschichten - Neue Literatur aus Österreich

"Kein Platz mehr" von Margit Schreiner. Es liest Chris Pichler. Gestaltung: Daniela Wagner-Höller

In Margit Schreiners jüngstem Roman platzen die Räume aus allen Nähten. Zettel, Tagebücher, Korrespondenzen, Zeitungsartikel, Fotos, Nippes aller Art: all die Dinge und Erinnerungen die sich im Laufe eines Lebens ansammeln! Weniger wird es nicht, eher umgekehrt. Und sogar wenn man ausmistet werden Möbel und Kleider plötzlich immer mehr. Sie tauchen überall auf, wo man sie nie vermutet hätte. Die materielle Fülle wird zur Hölle.

Aber der Platzmangel betrifft bei Schreiner nicht nur die eigenen vier Wände, egal ob es die Dachgeschoßwohnung in der Stadt, das Häuschen im Grünen oder das geerbte Schloss am Lago Maggiore ist. Nein, der Platzmangel ist ein weltumfassendes Problem. Dazu kommen die irrwitzigen Folgen des Lärms auf ganze Gesellschaftsstrukturen. Da liegt der Schluss nahe, dass der Mensch wahrscheinlich ungeeignet für die Welt ist. Ein reiner Störfaktor. Es könnte alles so reibungslos ablaufen, wenn es ihn nicht gäbe ...

Überspitzt und mit schwarzem Humor lässt Margit Schreiner in ihrem Roman "Kein Platz mehr" (Schöffling & Co) niemanden unverschont. Auch die Schriftsteller bekommen ihr Fett ab. Egal ob sie Bestsellerautoren sind oder sich, um Geld zu verdienen, von einem Schreibseminar zum nächsten hanteln: Direkt nach ihnen kommen eigentlich nur noch die Messies. Das Platzproblem betrifft alle, und jeder scheitert schlussendlich daran, so Schreiner. Wie gut, dass eines Tages der Tod kommt, dessen Sinn es wahrscheinlich ist, endlich Platz zu machen.

Margit Schreiner, Jahrgang 1953, studierte Germanistik und Psychologie und verbrachte nach ihrem Studium in Salzburg einige Jahre in Tokio. Seit 1983 lebt sie nach Aufenthalten in Paris, Berlin und Italien als freie Schriftstellerin in Linz. Werke Margit Schreiners: "Das menschliche Gleichgewicht" (Schöffling & Co, 2015), "Die Tiere von Paris" (Schöffling & Co, 2011), "Schreibt Thomas Bernhard Frauenliteratur?" (Schöffling & Co, 2008) oder "Haus, Friedens, Bruch." (Schöffling & Co, 2007). Margit Schreiners Werk wurde mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet, unter anderem mit dem Oberösterreichischen Landeskulturpreis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur. 2015 wurde sie mit dem Johann-Beer-Literaturpreis und dem Heinrich-Gleißner-Preis ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie den Anton-Wildgans-Preis (2016).

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