Auf "rot-weiss-roten" Spuren im Trentino

Ambiente Spezial: Seepromenaden, Sprachinseln und Schützengräben. Ein Ö1 Reise ins Trentino. Von Matthias Haydn.
Redaktion: Ursula Burkert

Das Trentino ist der südliche Teil der italienischen Region Trentino-Südtirol. Auf der Karte betrachtet, erinnert die Form der autonomen Provinz an einen Schmetterling. Die gebirgige Region reicht von der Nordspitze des Gardasees im Südwesten bis zum mehrheitlich von Ladinern bewohnten Fassa-Tal im Nordosten. Die beiden größten Städte sind die Konzil-Stadt Trient und Rovereto.

Das Trentino war wegen seiner Lage im Süden der Alpen und an der Etsch seit jeher von großer strategischer Bedeutung. Als "Welschtirol" war es lange ein Teil von Tirol. Napoleon sprach es 1805 Bayern zu, 1810 gliederte er es dem Königreich Italien an. 1813 befreite sich die Bevölkerung in einer Volkserhebung von der französisch-italienischen Herrschaft und 1815 wurde das Trentino - im Zuge des "Wiener Kongresses" - wieder ein offizieller Teil Tirols und damit auch von Österreich-Ungarn.

Trauriger Höhepunkt des Streites um das Trentino war der Erste Weltkrieg. Bei den Kämpfen zwischen Österreichern und Italienern verloren viele tausend Soldaten und Zivilisten ihr Leben. Die Frontlinie verlief entlang der Gebirgsketten von Ost nach West - die Schützengräben der verfeindeten Linien sind teilweise bis heute erhalten geblieben und können im Zuge von Wanderungen besichtigt werden. Die Frontlinie verlief auch mitten durch die Stadt Rovereto, dort wird die Geschichte der Kämpfe im "Kriegsmuseum" in der Burg von Rovereto aufgearbeitet.

Interessant ist das Trentino auch für Bahnfreunde. Neben der Brennerbahn zwischen Innsbruck und Verona gibt es zwei weitere, landschaftlich beeindruckende Bahnstrecken: die "Valsugana-Bahn" verbindet Trient mit Venedig und die 66 Kilometer lange Nonstalbahn führt in beeindruckenden Kehren hinauf ins nordöstlich gelegene Hochtal "Valle di Non".

Auch aus linguistischer Sicht ist das Trentino eine besondere Region. Großteils wird italienisch gesprochen. Im Fassatal spricht die Mehrheit und im Nonstal eine Minderheit Ladinisch. Auch zwei Sprachinseln deutscher Dialekte gibt es: während das "Zimbrische" kaum mehr gesprochen wird, hält sich das "Fersentalerische" im gleichnamigen, abgelegenen Tal nördlich von Trient noch gut. Etwa 2.000 Menschen sprechen heute den Dialekt des für seine einstigen Wanderhändler in weiten Teilen von Österreich-Ungarn bekannten Tales.

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