Gershwin goes HIP!

mit Mirjam Jessa. Originalklang für Gershwin! Zuviel des Guten oder längst fällige Auseinandersetzung?

Historisch informierte Aufführungspraxis - kurz HIP - ist schon seit langem im 20. Jahrhundert angekommen. Dass sie auch auf das Schaffen George Gershwins angewandt wird, überrascht nur jene, die noch immer streng zwischen Unterhaltungsmusik und sogenannter Ernster Musik unterscheiden und die Gershwin eindeutig der U-Musik zuordnen.

Ganz neu ist das Unbehagen an unserem Cinemascope-Klangbild von Gershwin nicht. Daraus resultierten schon früh Einspielungen in kleineren Besetzungen. Ein Vorreiter dieser Entwicklung war Michael-Tilson Thomas. Er hat bereits in den 1970er Jahren die "Rhapsody in Blue" in der Originalbesetzung mit Jazzband eingespielt. Simon Rattle zog in den 1980er Jahren mit seinem Jazzalbum mit der London Sinfonietta nach.

2009 überraschte Nikolaus Harnoncourt mit einer atemberaubenden Aufführung von "Porgy and Bess" bei der Styriarte, selbstverständlich ist er dafür wie immer ad fontes gegangen, zu den Quellen. Und im vergangenen Jahr hat Jos van Immerseel ein Gershwin-Album veröffentlicht, das erneut Hörgewohnheiten radikal hinterfragt, nur indem er ernst nimmt, was eine neue historisch-kritische Notenausgabe offenlegt.

Interessant ist auch die Geschichte des britischen Dirigenten John Wilson, der in jahrelanger Kleinstarbeit verloren gegangene, vernichtete Originalpartituren von Film-Scores rekonstruiert hat, dem unverwechselbaren MGM-Klang auf der Spur, der interessanterweise auch nichts mit großen Besetzungen zu tun hat. Oder wie Immerseel im Interview erklärt: "Ein Klang wird nicht wesentlich stärker, je mehr Musiker den gleichen Ton spielen. Man bekommt vielmehr ein Mehr an Klang, je mehr die Stimmen vertikal aufgesplittet werden, dass wusste bereits ein Gabrieli mit seinen vielstimmigen Chorsätzen".

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