Keine Insel für Massentourismus - Madagaskar

Ambiente Spezial: Unterwegs auf der Insel der Kontraste. Eine Ö1 Studienreise durch Madagaskar. Von Ursula Burkert

Rote Erde, riesige Zebu-Herden, ein schier unendlich weiter Himmel, karge Hochlandflächen, üppig verwachsene Urwälder, steile Vulkankegel, Wüstenebenen, kunstvolle Reisterrassen, ein ungeheurer Reichtum an Pflanzen und Tieren wie den diversen Lemuren-Arten, Baobab-Alleen, einsame Inseln und Palmenstrände - das alles ist Madagaskar. Aber auch moderne Infrastruktur, Bürotürme, elegante Restaurants, Sportstadien, permanente Verkehrsstaus im Zentrum der Hauptstadt Antananarivo, Sandpisten, Wellblechverschläge, Slums und Müllhalden in den Vorstädten, Lehmhäuser, Holzhütten und durchlöcherte Asphaltstraßen auf dem Land - Kontraste sind es, die Madagaskar ausmachen. Vom Massentourismus ist die viertgrößte Insel der Welt trotz ihrer vielfältigen Naturschönheiten bislang allerdings weitgehend verschont geblieben. Die lange Zeit unruhige politische Situation und putschähnliche Machtwechsel, Massenarbeitslosigkeit, Mängel bei der Strom- und Wasserversorgung, die hohe Inflation, der Anstieg der Kriminalität, die allgegenwärtige Korruption, immer wieder auftretende Fälle von Lungenpest, die Abholzung der Regenwälder haben Folgen gezeigt.

Und dennoch hat Madagaskar, die "Rote Insel" im Indischen Ozean, auf ihren rund 587.000 km² eine ungeheure landschaftliche Vielfalt zu bieten: Gebirgsmassive, Felsspitzen, Hochplateaus vulkanischen Ursprungs und kilometerlange Strände an den Küsten. Die gesamte Insel ist eines der artenreichsten Biotope überhaupt, 80 % der Blütenpflanzen und Säugetiere sind endemisch. Bei den Reptilien sind es sogar 95 %. Die bekanntesten und charakteristischsten madagassischen Tiere sind die Lemuren. Etwa 100 Arten leben ausschließlich auf der Insel u.a. Indris, Kattas (Ringelschwanzlemuren) und Maus-Maki, aber auch Chamäleons. Ursula Burkert hat sich in der Umgebung der Hauptstadt Antananarivo umgesehen und Nationalparks, Kunst-Handwerker und Sozialprojekte besucht.

Akamasoa ("Gute Freunde") wurde 1989 von dem in Buenos Aires geborenen slowenischen Priester Pedro Opeka initiiert, um Menschen, die auf den Müllhalden am Rand von Antananarivo lebten, zu helfen. Der Priester, der in seiner Jungend auch das Zeug zum Profifußballer gehabt hätte, sammelte Spenden, kaufte Grundstücke und organisierte Bautrupps, die nach und nach Eigenheim-Siedlungen errichteten. Die Ärmsten der Armen erhielten als Starthilfe ein Dach über dem Kopf und die Verpflichtung, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Außerdem muss jeder der inzwischen 20.000 Bewohner/innen seinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Betteln ist in Akamasoa streng verboten, Pedro Opeka setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Ein ganz besonderes farbenfrohes und heiteres Erlebnis ist die sonntägliche Messe in der Sporthalle von Akamasoa. Tausende vornehmlich junge Menschen singen und tanzen dort, als würden sie an einem Popkonzert teilnehmen.

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