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Musik

Georges Bizet: "Carmen"

Samstag
15. Mai 2010
19:00

Mit Nadia Krasteva (Carmen), Anna Netrebko (Micaela), Massimo Giordano (Don José), Ildebrando D'Arcangelo (Escamillo) u. a.; Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent: Andris Nelsons (Übertragung aus der Wiener Staatsoper)
(Übertragung in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)

Uraufführungs-Reaktionen reserviert

"Eines der unvergänglichen Meisterwerke. Die Schönheiten dieser Partitur sind unerschöpflich." Im krassen Gegensatz zu diesen Worten des Musikschriftstellers Kurt Pahlen – eine von unzähligen Beschreibungen, die Bizets Carmen als eines der gelungensten Werke der gesamten Opernliteratur bezeichnen – stehen die Reaktionen nach der Uraufführung der Oper 1875 in Paris: Das Werk wurde dort vom Publikum kühl aufgenommen, die Kritik warf dem Komponisten vor, seiner Oper fehle es an Melodienreichtum.

Bizet, geboren 1838 in Paris, zuerst als hoffnungsvolles Wunderkind gehandelt und bereits mit zehn Jahren als Schüler am Pariser Conservatoire aufgenommen, gilt in der Musikgeschichte als einer der bedeutendsten französischen Komponisten der Romantik, musste zu Lebzeiten aber mehr künstlerische Tiefschläge als Erfolge einstecken. Von seinen vollendeten Opern kam einzig La jolie fille de Perth (1867) bei Publikum und Presse gut an. Den Welterfolg seiner Carmen erlebte der Komponist dagegen nicht mehr: Er verstarb noch im Uraufführungsjahr, nur 37-jährig.

 

Novelle als Vorbild

Carmen basiert auf der gleichnamigen, in den 1840er Jahren publizierten Novelle des französischen Schriftstellers Prosper Mérimée. Ihr Inhalt geht auf wahre Erlebnisse zurück, die dem Autor 1830 während einer Reise durch Andalusien zugetragen wurden; damals begegnete Mérimée dem kurz vor seiner Hinrichtung stehenden Banditen José Castro – Urbild des Don José – und der Zigeunerin Carmen.

Die Umformung der Novelle in ein Opernlibretto besorgten Henri Meilhac und Ludovic Halévy; beide galten als bewährte "Firma für Libretti". Ihr Buch für Bizet darf sogar als Glücksfalls einer Novellen-Bearbeitung für die Opernbühne gelten: Die Erfindung der Figur der Micaëla, Urbild mädchenhafter Unschuld und Reinheit und somit Widerpart zur abgründigen Carmen, ging auf das Autorenduo ebenso zurück wie die Gestaltung des Toreros Escamillo als zentrale Hauptfigur; eine Vorlage hat diese Rolle in der Novelle nur in der am Rande erwähnten Figur des Picadors Lucas.

Gespür für bühnenstarke Situationen

Vor allem zeigten die Librettisten aber enormes Gespür für dramatische, bühnenstarke Situationen. Als bestes Beispiel mag dafür der Schluss der Oper gelten: Während bei Mérimée der Mord an Carmen in einer einsamen Bergschlucht stattfindet, wo Don José die gemordete Geliebte an Ort und Stelle begräbt, wird die Szene in der Oper wirkungsvoll vor eine Stierkampfarena verlegt. Der Beifall für Escamillos Sieg vermischt sich so mit den verzweifelten, letzten Worten Don Josés.

Noch kurz vor seinem frühen Tod hatte Bizet mit Franz Jauner, dem Direktor der Wiener Hofoper, verhandelt: Für Wien sollte er seine Carmen umarbeiten, die an der Opéra Comique üblichen, gesprochenen Zwischentexte durch Rezitative ersetzen. Diese Arbeit übernahm nach Bizets Tod dessen Freund und Kollege Ernest Guiraud (er besorgte später auch die Einrichtung von Offenbachs unvollendet gebliebener Oper Les Contes d'Hoffmann). Bei der Wiener Erstaufführung am 23. Oktober 1875 wurden Guirauds Rezitative aber nur teilweise verwendet: Man spielte eine Mischfassung teils mit den nachkomponierten Rezitativen, teils mit den originalen Dialogen – wie es auch heute noch zuweilen im Bühnenbetrieb geschieht.

Tatsache ist, dass sich – im Gegensatz zu Paris – in Wien das Publikum von Bizets Werk sogleich begeistert zeigte; von Wien aus nahm der triumphale Welterfolg der Carmen seinen Anfang – und seither ist das Werk nicht mehr von den internationalen Opernspielplänen wegzudenken. An der Wiener Staatsoper spielt man Carmen seit mehr als 30 Jahren in der pittoresken Franco-Zeffirelli-Inszenierung und Ausstattung.

Text: Michael Blees

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