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Gesellschaft

Menschenbilder *

Sonntag
13. Juni 2010
14:03

"Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen" - Die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler. Gestaltung: Heinz Janisch

"Das plötzliche Merken, dass es noch etwas ganz anderes gibt."

Mirjam Pressler über die Entscheidung, an der Hochschule für bildende Künste in Frankfurt zu studieren.

Sie übersetzte mehr als 300 Titel aus dem Hebräischen, dem Englischen und dem Niederländischen ins Deutsche, darunter Werke von Uri Orlev und Amos Oz. Als ein Hauptwerk gilt die von ihr übertragene "Kritische Werkausgabe" der Tagebücher von Anne Frank. Zuletzt hat sie unter dem Titel "Grüße und Küsse an alle" die Geschichte der Familie von Anne Frank erzählt.

Mirjam Pressler, eine der erfolgreichsten Autorinnen und Übersetzerinnen im deutschen Sprachraum, feiert am 18. Juni ihren 70. Geburtstag. 1940 in Darmstadt geboren, wuchs sie bei Pflegeeltern auf. Sie studierte in Frankfurt und München und lebte anschließend für ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Zurück in Deutschland arbeitete sie in verschiedenen Jobs, bis sie sich ganz der Tätigkeit als Autorin und Übersetzerin widmete.

Die Liste ihrer eigenen Kinder-und Jugendromane ist lang, viele erfolgreiche, preisgekrönte Titel sind darunter. Ihr Buch "Novemberkatzen" wurde fürs Kino verfilmt, von ihrem Roman "Bitterschokolade" wurden mehr als 400.000 Exemplare verkauft.

Ein Besuch bei Mirjam Pressler in München.

Über-Setzen und Schreiben

Es ist ein großes Glück für alle Leserinnen und Leser, dass Mirjam Pressler Bücher mag. Denn ein Buch, das von Mirjam Pressler aus dem Hebräischen, Niederländischen, Flämischen, aus dem Afrikaans oder dem Englischen übersetzt wurde- das kann man getrost zur Hand nehmen. Über 400 Bücher hat sie bislang übersetzt, von so namhaften Autoren wie Amos Oz, Uri Orlev und vielen anderen, und ihr Name als Übersetzerin bürgt stets für Qualität, Seite für Seite, Wort für Wort.

Das Übersetzen - das Über-Setzen von einem Sprachufer zum anderen- das ist freilich nur ein wichtiger Teil der Schreibarbeit von Mirjam Pressler. Wer Bücher mag, der kennt vor allem auch die Autorin Mirjam Pressler und ihre Romane, die meist als Kinder- und Jugendbücher im Regal stehen und die doch für Leserinnen und Leser jeden Alters empfehlenswert sind.

"Beschädigte Kindheit" als Thema

"Ich bin keine Selbstdarstellerin“, sagt Mirjam Pressler. Sie rede lieber über Bücher als über ihr Privatleben. "Was ich schreibe, muss stimmen, muss meiner Realität, meiner sozialen Wirklichkeit entsprechen", hat Mirjam Pressler einmal gesagt und betont, dass sie als Autorin von ihren eigenen Erfahrungen, von ihrer Biografie lebe. 1987 schrieb Mirjam Pressler in der Zeitschrift "Welt des Kindes" über ihre Kindheit:

1940 wurde ich als uneheliches Kind in Deutschland geboren, ich wuchs bei Pflegeltern im Oma- und Opaalter auf, die selbst zur sozialen Unterschicht gehörte.

"Mein Thema ist die Verwunderung darüber, dass das Leben, der Wille zum Leben zum Glück meist stärker ist als alles, was Menschen sich gegenseitig antun. Mich interessiert die Frage, wie Identität unter widrigen Bedingungen entstehen und wachsen kann", so Mirjam Pressler in einer Rede in Frankfurt im Jahr 2001.

Rare Glücksmomente

Sie erinnert sich dabei auch an rare Glücksmomente in ihrer Kindheit. Bücher gab es keine im Haus der Pflegeltern, aber Zeitungen…Und daraus las die kleine Mirjam ihrer Pflegemutter manchmal vor, beim Zusammensitzen in der Küche. "Damals, in der Küche, endlich einmal mit meiner Pflegemutter allein, vor dem knisternden Herdfeuer - das war Glück", erinnert sich Mirjam Pressler. Und: "Damals muss meine Begeisterung fürs Lesen begonnen haben."

Wobei das mit dem Lesen gar nicht so einfach war- es war schwer, an Bücher zu kommen- und wenn man dann eines in der Hand hatte musste man einen Ort finden, wo man sie ungestört lesen konnte. "Ich las wie besessen, in jeder freien Minute", sagt Mirjam Pressler, "aber ich durfte mich zu Hause nicht mit einem Buch erwischen lassen, da wurde ich sofort zum Arbeiten eingeteilt- Wäsche aufhängen, Hasenfutter holen, die Küche kehren ..."

Gestaltung: Heinz Janisch · zur Sendereihe

Service

  • Mirjam Pressler, "Bitterschokolade", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Novemberkatzen", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Zeit am Stiel", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Malka Mai", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Die Zeit der schlafenden Hunde", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen", Beltz& Gelberg

    Mirjam Pressler, "Shylocks Tochter", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Golem stiller Bruder", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Nathan und seine Kinder", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Ich sehne mich so. Die Lebensgeschichte der Anne Frank", Beltz & Gelberg

    Mirjam Pressler, "Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank", Verlag S. Fischer

    "Anne Frank Tagebuch", Fassung von Otto H. Frank und Mirjam Pressler, Fischer Taschenbuch Verlag

    Mirjam Pressler
    Verlagsgruppe Beltz
    Fischer Verlage

Musikliste

Komponist/Komponistin: Franz Schubert
Titel: Allegro moderato
Solist/Solistin: Elisabeth Leonskaja, piano
Label: MDG Gold 3431194-2/ Cut 4
Länge: 02:00 min

Komponist/Komponistin: Franz Schubert
Titel: Allegretto D 915 C minor / ut mineur / c-Moll
Solist/Solistin: Elisabeth Leonskaja, piano
Label: MDG Gold 3431194-2/ Cut 9
Länge: 01:00 min

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