Sonntag
02. Mai 2010
22:05
Zum 15-jährigen Bühnenjubiläum: "This isn't it" - Alf Poier und die obersteirische Wolfshilfe. Gestaltung: Silvia Lahner
15 Jahre ist es bereits her, dass Alf Poier zum ersten Mal eine seiner immer recht temporeichen Performances auf die Bühne gebracht hat. Anfangs war er vornehmlich einer eingeschworenen, aber beständig wachsenden Fangemeinschaft ein Begriff. Aber schon nach wenigen Jahren im Dienste der Kleinkunst erreichte Alf Poier so etwas, wie Kultstatus. Rasch wurde er mit namhaften, teils internationalen Kleinkunstpreisen dekoriert, darunter der deutsche Kleinkunstpreis und der Salzburger Stier.
Als Kunstfigur, die sich immer wieder neu erfindet und ihre Grenzen auslotet, bespielt Alf Poier heute die wichtigsten Bühnen und Festivals im deutschen Sprachraum. Das Programm "This isn't it" hat er sich zum 15-jährigen Bühnenjubiläum selbst geschenkt. "This isn't it" - ein Show mit Band, die richtig rockt!
"Michael Jackson hat seine Show 'This is it' genannt und kurz darauf war er tot", sagt Poier. "Da hab ich mir gedacht: Das geht sich zu meinem 15-jährigen Bühnenjubiläum bei mir noch nicht aus, da muss nachher schon noch etwas kommen. Also habe ich meine Show 'This isn't it' genannt und hoffe jetzt, dass noch ein bissl was passiert in meiner Künstlerbiografie."
Zur Feier seiner nunmehr 15-jährigen Präsenz in der österreichischen Kabarettszene hat Alf Poier seine Band "Die Obersteirische Wolfshilfe" reaktiviert. Eine Band, die mit Alf Poiers Gruppe aus frühen Tagen zwar nur mehr den Namen und weniger die Musiker gemeinsam hat, aber das tut nichts zur Sache. Mit großer Spielfreude und bemerkenswertem Sound arbeiten sich die Herren durch Alf Poiers Liederfundus. Eine vergnügliche Wiederbegegnung, die Alf Poier mit Geschichten aus seinen frühen Tagen als brotloser Künstler garniert.
Alf Poier hatte in seinem früheren Leben als angehender Künstler Lieder für Hias geschrieben, sich mit Volksmusik ebenso wie mit Rock und Pop beschäftigt. Seine Karriere als Kabarettist begann mehr oder weniger im April 1995 beim Grazer Kleinkunstwettbewerb im Theatercafe. Damals erspielte er zwar nicht den Kleinkunstvogel, hinterließ aber erste Eindrücke seiner Vielseitigkeit. Und er beeindruckte mit erstaunlichen Kenntnissen über China und seine Früchte - Kenntnisse, die er auch in seinem Jubiläumsprogramm zum Besten gab.
"Ich kann mir schon eine Karriere als lustiger Musiker vorstellen. Nach der Musikshow bin ich nicht weniger zufrieden als nach einem Kabarettprogramm. Die Endorphine fließen, weil ich sehr viel auf der Bühne herumlaufe und tanze, man hat wirklich einen Kick nachher. Und als ehemaliger Langstreckenläufer ist man ja Kick-süchtig. Das hat auch Andreas Vitasek kürzlich in einem Interview gesagt: nach einem Auftritt geht's einem immer besser."
Aus dem "Nichts" etwas zu machen, galt für Alf Poier immer als die höchste Bühnenkunst. Und die Improvisationen bei seinen Auftritten bezogen sich nicht nur auf Worte und Töne - es wurde auch so manches Kunstwerk oder skurriles Objekt aus eigener Werkstatt an den Bühnenrand gezaubert. Im Jubiläumsprogramm "This isn't it" verzichtet Alf Poier gänzlich auf selbst Gebasteltes und Gemaltes.
Gemeinsam mit der Obersteirischen Wolfshilfe legt er ein Programm vor, das dem Wunsch des Künstlers entsprechend "richtig rockt", eine Show, in der seine ureigensten Kräfte als singender, tanzendes und hüpfender Extrem-Entertainer zur Entfaltung kommen, eine Show, die nur ihm und seiner Musik gehört - und zu dieser Eigenmächtigkeit hat er nach 15 Bühnenjahren als selbst ernannter Kasperl - wie er sich in einem Lied bezeichnet - jedes Recht.
"Mit dem Lied über den Kasperl habe ich eine riesige Freude und für mich wurde das auch zu einem Resümee der vergangenen 15 Jahre. Ich singe vom Tournee-Leben, da ist man dauernd unter Menschen und trotzdem viel allein. Ich habe ja ein total unstetes Leben geführt, meistens komme ich allein nach Haus, fahr allein fort. Da ich mit niemanden zusammen wohnen kann, bleibt mir das eben nicht erspart. Aber ich habe das Gefühl, das ist das Leben, das ich führen will und das ich auch haben möchte, wenn ich nochmals auf die Erde kommen müsste. Was ich aber nicht hoffe – ich bin nicht suizidgefährdet, aber ich will einmal leben und damit soll's genug sein. Dieser Wiedergeburtsgedanke verunsichert mich ein wenig."
Gestaltung:
Silvia Lahner
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