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Musik

Zeit-Ton

Dienstag
11. Mai 2010
23:03

"Elektronischer Mai". Das e_may Festival. Gestaltung: Nina Polaschegg

2009 wurde bereits zum dritten Mal dazu eingeladen: Das zweitägige Festival e_may fand in der Reihe "Im Loth" im Wiener Konzerthaus statt.

Es ist ein Komponistinnen-Festival, das sich schwerpunktmäßig der Musik von Frauen in Wien widmet, das aber seine Grenzen immer wieder öffnet. So luden die beiden Kuratorinnen Gina Mattiello und Pia Palme in diesem Jahr die französische Pionierin elektronischer Musik, Éliane Radigue, ein.

Außerdem erlebten beim "e_may 2009"-Festival Werke u. a. von Elisabeth Schimana, Andrea Sodomka und Pia Palme ihre Uraufführung.

Ausschnitt aus "Biogenese" (1973) von Eliane Radigue

Pionierin der elektronischen Musik

Gina Matiello und Pia Palme laden zum jährlichen e_may-Festival vor allem in Österreich lebende Komponistinnen ein. Sie verstehen Ihr Festival als offene und wachsende Netzwerkstruktur. Und so hat sich 2009 eine Zusammenarbeit mit dem IMA (Institut für Medienarchäologie) ergeben. Mit dem Ergebnis, dass e_may eine der Pionierinnen der elektronischen Musik einladen konnte: Eliane Radigue.

Schülerin von Pierre Schaeffer

In den 1950er Jahren, also in den Anfangszeiten der elektronischen und elektroakustischen Musik, war Eliane Radigue Schülerin von Pierre Schaeffer gewesen, später arbeitete sie als ehrenamtliche Assistentin ein Jahr für Pierre Henry. Sie lernte, musikalisches Material neu zu denken und zu hören. Vor allem aber lernte sie die technischen Möglichkeiten kennen, die die damals noch neuen Geräte boten: Tonbandgeräte, Filter, Hall und Echo.

In Experimenten entwickelte Eliane Radigue nach und nach ihre eigenen klanglichen und stilistischen Ansätze. Aber auch noch ganz anderen wichtigen Impulsen verdankt sie Inspirationen, die sie zu ihrem eigenen musikalischen Weg geführt haben: ihren ersten beiden längeren New-York-Aufenthalte, 1961 und dann Anfang der 1970er Jahre als die ersten Modularsynthesizer auf den Markt kamen. Diese wollte die interessierte Klangforscherin Eliane Radigue unbedingt ausprobieren.

Frühe Synthesizer

Nach Experimenten auf einem BUCHLA wurde ein ARP 2500 ihr Instrument, das sie besonders seiner vielfältigen Filtermöglichkeiten schätzte und auf dem sie alle ihre weiteren elektronischen Stücke realisierte. Später kamen weitere Aufenthalte und Lehraufträge an der New York University School of Arts, der Iowa University, dem California Institutes of the Arts und dem Mills College hinzu.

In den USA lernte sie die künstlerische und musikalische Avantgarde kennen; und damit Musik, die nicht zwingend linear an die abendländische Kunstmusiktradition anschließt: Musik von James Tenney, von Phil Glass, Alvin Lucier, Robert Ashley, Phil Niblock und vielen anderen Komponisten der amerikanischen Avantgarde.

Dauertöne und Wiederholungen

Inspirieren ließ sie sich vor allem von Komponisten, die nicht zwingend mit instrumentalen Klängen arbeiteten, die naturwissenschaftliche Phänomene zum Erklingen brachten, die mit lange andauernden Drones arbeiteten oder ihre Aufmerksamkeit auf kontinuierliche minimale Wiederholungen setzten - mithin von Komponisten, die nicht nur mögliches Material neu entdeckten, sondern auch tradiertes Form- und Strukturdenken neu befragten.

Beim Komponieren legt Eliane Radigue ihr Hauptaugenmerk auf die Klangfarbe. Diese verändert sie nach und nach, schichtet alsdann Texturflächen übereinander, gegeneinander, verschiebt einzelne musikalische Parameter ganz sacht. Atmen, Pulsieren, organische Veränderungen, Fließen, das alles sind treffende Worte, um die Musik Eliane Radigues zu beschreiben. Seit einigen Jahren schreibt sie Instrumentalmusik, erarbeitet die Stücke in engem Austausch mit den jeweiligen Instrumentalist/innen. Im heutigen Zeit-Ton können Sie einen Ausschnitt eines ihrer elektronischen Werke hören.

Gestaltung: Nina Polaschegg · zur Sendereihe

Musikliste

Komponist/Komponistin: Pia Palme
Titel: "AX.WHO" (Ausschnitt)
Solist/Solistin: Alexander Eberhard/Viola
Solist/Solistin: Margarete Deppe/Violoncello
Solist/Solistin: Bernhard Ziegler/Kontrabass
Solist/Solistin: Electric Indigo/Synthesizer
Solist/Solistin: Pia Palme/Aerophone und Elektronik
Solist/Solistin: Judith Unterpertinger/verst. Klavier
Label: Manus20100511
Länge: 10:00 min

Komponist/Komponistin: Eliane Radigue
Titel: Giogenesis (Ausschnitt)
Solist/Solistin: Eliane Radigue/Synthesizer
Label: MKCD019 Metamkine20100511
Länge: 09:00 min

Komponist/Komponistin: Emanuel Holterbach
Titel: Acoustic Phenomena for Junk, Exotic Instruments and oscillators (Ausschnitt)
Solist/Solistin: Emanuel Holterbach
Label: Manus20100511
Länge: 06:20 min

Komponist/Komponistin: Elisabeth Schimana
Titel: Höllenmaschine
Solist/Solistin: Gregor Ladenhauf/Operator
Solist/Solistin: Manon-Liu Winter/Tastenmanuale
Label: Manus20100511
Länge: 09:30 min

Komponist/Komponistin: Andrea Sodomka
Titel: Broken Heart Suite
Solist/Solistin: Heidelinde Gratzl/Akkordeon
Solist/Solistin: Lisa-Maria Brandstötter/Stimme
Solist/Solistin: Andreas Sodomka/Live-Elektronik
Solist/Solistin: Norbert Math/Live-Elektronik
Label: Manus20100511
Länge: 07:00 min

Service

e_may Festival
Vimeo - Videoporträt von Eliane Radigue
Wikipedia - ARP 2500

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